FTD.de » Politik » Guttenberg schmeißt hin
Merken   Drucken   01.03.2011, 12:58 Schriftgröße: AAA

Rücktritt: Guttenberg schmeißt hin

Der CSU-Star legt alle politischen Ämter wegen der Plagiatsaffäre nieder und überrascht damit die Unionsspitze. Er nennt es den schwersten Schritt seines Lebens, klagt aber auch über die "enorme Wucht der medialen Betrachtung". Die Kanzlerin sucht einen Nachfolger.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist über die Plagiatsaffäre gestolpert. Er legte am Dienstag alle politischen Ämter nieder. "Es ist das der schmerzlichste Schritt meines Lebens", sagte er in Berlin. Er habe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) darüber informiert, betonte der sichtlich bewegte CSU-Politiker, der sich damit faktisch aus der Politik verabschiedet. Der Adlige, der als das CSU-Nachwuchstalent galt, will sich nach eigenen Worten schnell staatsanwaltlichen Ermittlungen zu den Plagiatsvorwürfen stellen. Die Führungen der Union bedauerten den Schritt und zollten Guttenberg Respekt.

 

Verteidigungsminister Guttenberg tritt zurück   Verteidigungsminister Guttenberg tritt zurück

CSU-Chef Horst Seehofer verließ am Dienstagvormittag überraschend eine Sitzung des bayerischen Kabinetts und kam mit der Nachricht vom Rücktritt zurück, wie Teilnehmer anschließend berichteten. Er habe betroffen gewirkt, hieß es. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe erklärte, es sei Guttenberg hoch anzurechnen, dass er mit seinem Schritt die Bundeswehr in einer schwierigen Phase des Umbaus vor belastenden Diskussionen bewahre. Merkel kündigte für den Nachmittag eine Erklärung an.

"Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies nicht mehr verantworten", sagte er. "Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht." Der scheidende Minister machte deutlich, dass er sich mit seinem Rücktritt schwer getan habe. Dies sei "unbefriedigend, aber allzu menschlich". Man gebe nicht leicht ein Amt auf, "an dem das Herzblut hängt".

Guttenberg kritisierte eine "enorme Wucht der medialen Betrachtung" seiner Person. Der Tod und die Verwundung von Soldaten rückten in den Hintergrund. Dies sei eine "dramatische Verschiebung".

Der Rücktritt Guttenbergs...

 

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Er habe Respekt vor all jenen, die die Vorgänge strafrechtlich überprüft sehen wollen, unterstrich der gescheiterte Minister. "Es würde daher nach meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität, sollte dies noch erforderlich sein, zeitnah geführt werden können."

Merkel, die sich zur zeit des Guttenberg-Statements auf der Cebit in Hannover aufhielt, hatte am Vormittag ihren Rundgang auf der Computer-Messe überraschend unterbrochen und längere Zeit telefoniert. Dem Vernehmen nach stimmte sich die Kanzlerin auch mit FDP-Chef Guido Westerwelle und CSU-Chef Horst Seehofer ab. Erst am Montag hatte sich Merkel erneut demonstrativ hinter Guttenberg gestellt.

Der CSU-Politiker stand wegen der Plagiatsaffäre im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit stark in der Kritik. Bislang hatte er einen Rücktritt abgelehnt. Auch Merkel wollte ihren Minister nicht fallen lassen. Aus der Wissenschaft und von seiten der Opposition hagelte es dagegen Rücktrittsforderungen. Zuletzt bröckelte die Unterstützung in der Union für den Jungstar in Merkels Kabinett.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte gesagt, sie schäme sich für ihn. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) wurde mit der Aussage zitiert, der Fall sei "ein Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie". Und der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf kritisierte Merkels Umgang mit der Affäre.

Guttenbergs Doktorvater, der Bayreuther Jura-Professor Peter Häberle, ging auf Distanz zu dem Minister. "Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel", sagte er der "Welt". Die Aberkennung des Doktortitels sei die notwendige Folge gewesen. Zuvor hatte Häberle noch gesagt, die Arbeit sei kein Plagiat. Das nannte er nun eine vorschnelle Reaktion.

Teil 2: Wissenschaftler sind empört

  • FTD.de, 01.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler