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Merken   Drucken   30.10.2008, 20:02 Schriftgröße: AAA

Streit der Tarifparteien: Metallindustrie steuert auf Streik zu

Im Tarifkonflikt der Metallindustrie haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot im Gesamtvolumen von 2,9 Prozent vorgelegt - das die IG-Metall prompt als "unanständig" zurückwies. Sie fordert acht Prozent mehr Gehalt - jetzt droht eine Warnstreikwelle.
Nach dem ersten Arbeitgeberangebot in der diesjährigen Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie mit seinen bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten stehen die Zeichen auf Sturm. Die IG Metall lehnte die Offerte in Baden-Württemberg, die 2,1 Prozent mehr Einkommen für kommendes Jahr und Einmalzahlungen für den Rest des laufenden Jahres vorsieht, in Fellbach bei Stuttgart als unzumutbar ab. Für die Monate November und Dezember bieten die Arbeitgeber eine Einmalzahlung von insgesamt 0,8 Prozent bezogen auf das Jahreseinkommen an.
IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann bezeichnete den Vorschlag mit Blick auf die erstklassige Gewinne der Branche in den letzten Jahren als "Provokation" und "nicht tragfähig für eine Lösung dieser Tarifbewegung". Wenn es in anderen Tarifgebieten am Freitag nicht zu einem Durchbruch komme, werde die bundesweite Warnstreikwelle anlaufen. Auch IG Metall-Chef Berthold Huber nannte das Angebot in der "Bild"-Zeitung "unanständig", weil es Reallohnverluste für die Arbeitnehmer nach sich ziehe.
"Du hast mehr verdient!" - Motto einer Maikundgebung der ...   "Du hast mehr verdient!" - Motto einer Maikundgebung der IG Metall (Archiv)
Die IG Metall fordert für die Metaller acht Prozent mehr Lohn und Gehalt. Am 11. November haben die Tarifvertragsparteien im Südwesten eine letzte Chance, einen Streik zu verhindern. Bis dahin könnte es Sondierungsgespräche geben. Ebenfalls in dritter Runde wird an diesem Freitag in den Bezirken Bayern, Nordrhein-Westfalen, Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) und Küste verhandelt.
"Signal der Fairness"
Südwestmetallchef Stefan Roell bezeichnete das Angebot als "ein Signal der Fairness und Verantwortung in außergewöhnlicher Situation", das auch die in den vergangenen 30 Monaten entstandenen 250.000 neuen Arbeitsplätze nicht gefährde. Die Erwartungen der Unternehmen seien so schlecht wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dennoch sei die vorgeschlagene Lohnsteigerung von 2,1 Prozent drei Mal so hoch wie die für 2009 erwartete gesamtwirtschaftliche Produktivitätssteigerung. Hofmann entgegnete, die Offerte bringe keinerlei Impulse für die Binnennachfrage. "Aber genau das brauchen wir in dieser Phase." Roell ermahnte die Gewerkschafter, nicht mit zurückliegenden Entwicklungen zu argumentieren: "Wir verhandeln für 2009 und machen keine Spielchen für 2008."
Das Angebot bedeutet laut Roell für die Beschäftigten im kommenden Jahr eine Reallohnsicherung und einen kleinen Zuwachs der Kaufkraft. Hofmann sagte, der Vorschlag, der nicht einmal die Inflationsrate ausgleiche, werde in den Betrieben für Entrüstung sorgen. Das Angebot sei eine "Mogelpackung", fügte er mit Blick auf die nicht tabellenwirksamen Einmalzahlungen hinzu. Roell bezifferte deren Wert auf je nach Entgeltgruppe auf 200 bis 650 Euro. "Damit partizipieren die Beschäftigten noch am insgesamt ordentlichen bis guten Geschäftsjahr 2008." Nach Hofmanns Berechnungen liegt der Wert bei im Schnitt 340 Euro.
Roell verurteilte die geplanten Protestaktionen. "Warnstreiks bringen Streit und Spaltung in die Belegschaften." Er appellierte an die Gewerkschaft, einen Streik zu vermeiden. Der könnte kommen, wenn die Gewerkschaft die Gespräche für gescheitert erklärt und ihre Mitglieder zur Urabstimmung über einen Arbeitskampf aufruft. Die Friedenspflicht endet am Freitag um Mitternacht.
  • dpa, 30.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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