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Merken   Drucken   24.07.2007, 15:53 Schriftgröße: AAA

Taliban als Trittbrettfahrer  

Die noch lebende deutsche Geisel in Afghanistan ist nach ARD-Informationen aufgespürt worden. Dem Ingenieur gehe es entgegen der Angaben der radikal-islamistischen Taliban-Miliz vergleichsweise gut. Die Gotteskrieger sind in dem Fall offenbar nur Trittbrettfahrer.
Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi hatte am Dienstag behauptet, dass die deutsche Geisel gesundheitliche Probleme habe. Er sagte: "Der Deutsche ist sehr krank, er hat Diabetes". Die Aufständischen hätten keine Medikamente. "Deswegen können wir ihm nicht helfen." Es gibt allerdings erhebliche Zweifel daran, dass sich die Geisel tatsächlich in der Hand der Taliban befindet.
Experten vermuten, dass die Entführung stattdessen auf einen Stammeskonflikt mit kriminellem Hintergrund zurückgeht und die Rebellen die Geiselnahme für ihre Zwecke instrumentalisieren. Dafür sprechen auch aktuelle Informationen der ARD: Der deutsche Ingenieur, mindestens vier afghanische Kollegen und die Entführer seien demnach inzwischen in den Bergen der südöstlichen Provinz Ghasni. Sie bewegten sich nur noch selten und kurze Strecken zu Fuß auf etwa 3000 Metern Höhe. Der Geisel gehe es "den Umständen entsprechend gut". Allerdings werde der Mann am siebten Tag der Geiselnahme nach mehreren Fußmärschen schwächer. Es gebe regelmäßigen Kontakt zu dem Entführten. Den afghanischen Sicherheitsbehörden sei der Aufenthaltsort bekannt, auch seien Einsatzkräfte vor Ort. Diese würden aber nicht eingreifen.
"Infame Propaganda"
Damit scheint inzwischen sicher, dass die Taliban lediglich versuchen, die Entführung für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. So etwas wie das Verhalten der Taliban, die im aktuellen Geiseldrama nur als Trittbrettfahrer gelten, habe man noch nicht erlebt, sagte Außenamtssprecher Martin Jäger. Ein Novum sei, dass sich so genannte Sprecher der Taliban an die Öffentlichkeit wendeten und von Dingen berichteten, die durch die Realität nicht gedeckt seien.
So sei am Samstag die Mitteilung in Umlauf gebracht worden, das Ultimatum für die deutsche Geisel laufe ab. Später habe sich das als "infame Propaganda" erwiesen. Die so genannten Sprecher würden die Medienberichte in Deutschland genau verfolgen und darauf reagieren, sagte Jäger.

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  • dpa, 24.07.2007
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