Wegen der hohen Inflation sinken die Reallöhne sogar - mitten im Wirtschaftsboom. Nun sollte die Regierung die Überschüsse der Sozialkassen nutzen und die Beiträge senken. Das ist der einzig realistische Weg, um die Bürger zu entlasten. Zusätzliche Lohnerhöhungen, wie sie derzeit gern gefordert werden, sind zwar verlockend, aber ökonomisch riskant. Sie würden nicht nur die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft schwächen, sondern auch in eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale münden: Höhere Gehälter führen langfristig zu mehr Inflation und erfordern dann wiederum höhere Tarife. Zumal von steigenden Gehältern ohnehin nicht viel beim Arbeitnehmer hängen bleibt - die progressive Einkommensteuer frisst zusammen mit der Inflation höhere Löhne teils wieder auf. Genau das belegen ja die neuen Zahlen.
Diese "kalte Progression" durch eine große Steuerreform inklusive üppiger Steuererleichterungen beseitigen zu wollen wäre aber ebenfalls der falsche Ansatz: Angesichts der riesigen Staatsschulden gibt es dafür keinen Spielraum. Die Haushaltskonsolidierung muss weiter Vorrang haben.
Bleiben die Sozialversicherungen: Mit der historisch niedrigen Arbeitslosigkeit haben sich die Überschüsse der Kranken-, Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherung auf knapp 14 Mrd. Euro verfünffacht. Vor allem die Krankenkassen sitzen auf Milliarden, denn 2011 hat die Regierung die Beiträge und die Beitragsbemessungsgrenze erhöht. Nun ist es Zeit, die Versicherten zu entlasten. Das würde nicht nur die Bürger am Aufschwung teilhaben lassen, sondern nebenbei auch die Lohnnebenkosten der Arbeitgeber drücken. Und helfen, den deutschen Wirtschaftsboom zu verlängern.
Man kann sich die Finger wund schreiben, die FTD bleit bei ihren unbegründeten Auffassungen. Also von hinten angefangen. Die Sozialsysteme haben 2011 fast 14 Mrd. Euro Überschüsse angehäuft. Die Rentenbeiträge sind bereits gesunken und die Zusatzbeiträge von Krankenkassen sind weitgehend eingestampft.
Wie werden sich die Beitragseinnahmen 2012 und in den Folgejahren entwickeln? Ohne zusätzliche Ausgaben über die steigenden Beitragseinnahmen hinaus, sollten die Überschüsse kaum sinken. Bis 2015 würden dann rund 70 Mrd. Euro Überschüsse angesammelt. Die Sozialkassen wären dann Kapitalsammelstellen ohne Bankerlaubnis also unregulierte Schattenbanken.
Senkung der Beiträge scheint geboten. Wie viel? Bei einer Notreserve können nicht alle 14 Mrd. Euro den Beitragszahlern, zu denen auch die Unternehmen zählen, zurückgegeben werden. Nehmen wir deshalb 10 Mrd. Ungefähr hälftige Teilung, kriegen Arbeitnehmer und Unternehmer jählich jeweils 5 Mrd. Bei fast 30 Mio. sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern sind das dann durchschittlich 12 Euro monatlich. Daraus eine Stärkung des Binnenmarktes und des Konsums erwarten zu wollen, scheint aberwitzig.
Steuereinnahmen und kalte Progression sind davon nicht betroffen. Diese müssen dann trotzdem spürbar gesenkt werden. Wie viel? Um mindestens 200 Mrd. Euro jährlich, möglicherweise auch 300 Mrd. , bis 2020.
Das sind heute, kurz vor der Steuerschätzung im Mai, unvorstellbare Größenordnungen. Kann diese Beseitigung der kalten Progression und des Mittelstandsbauches aus politischen Gründen gegen die SPD nicht umgesetzt werden, dann sollten die Sozialsysteme verstärkt steuerfinanziert werden. Was macht die Regierung? Diese senkt die Steuerzuschüsse. Dabei sollten sinkende Arbeitslosenzahlen doch sinkende Kosten der Arbeitslosigkeit und des zweiten Arbeitsmarktes bedingen.
Die FTD muss ich auffordern, diese Trends lückenlos zu dokumentieren.
Vielen Dank