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Merken   Drucken   17.02.2011, 20:10 Schriftgröße: AAA

Affäre um Doktorarbeit: Dr. Guttenberg bekommt Zeitdruck an der Heimatfront

Binnen zwei Wochen soll sich der Verteidigungsminister zu den Plagiatsvorwürfen äußern. Diese Frist hat ihm die Uni Bayreuth gesetzt. Auf eine schnelle Entlastung darf er dann aber nicht hoffen. Die Hochschule will den Sachverhalt ohne Zeitdruck aufklären. von Thomas Steinmann  und Kai Beller  Berlin
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat am Donnerstagabend kurzfristig den ersten öffentlichen Auftritt seit Bekanntwerden von Plagiatsvorwürfen abgesagt. Der stellvertretende CDU-Fraktionschef Holger Stahlknecht sagte zu den Wartenden, das Ministerbüro habe um 18:25 Uhr angerufen und mitgeteilt, dass "Guttenberg in Berlin unabkömmlich ist". Guttenberg sei erst gegen 17.00 von seinem Kurztripp nach Afghanistan wieder in Berlin gelandet.
Die Universität Bayreuth hat Guttenberg indessen aufgefordert, binnen zwei Wochen zu den Plagiatsvorwürfen bei seiner Doktorarbeit Stellung zu nehmen. "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst", sagte Uni-Präsident Rüdiger Bormann. Für die Hochschule steht bei der Affäre der gute Ruf auf dem Spiel. Bormann sagte, dass es keine Hinweise auf ein nicht ordnungsgemäßes Promotionsverfahren gebe. "Wir haben sehr strenge Qualitätsmaßstäbe", sagte der Uni-Präsident. "Wir sind gut beraten, diese einzuhalten."
Schummler Guttenberg soll...

 

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Dem Minister wird vorgeworfen, an mehreren Stellen seiner 475 Seiten starken Doktorarbeit "Verfassung und Verfassungsvertrag" fremde Textpassagen ohne Quellenangabe verwendet zu haben. Der Präsident geht davon aus, dass Guttenberg eine ehrenwörtliche Erklärung abgegeben hat, die Arbeit selbstständig verfasst und alle Quellen offengelegt zu haben.
Zu möglichen Konsequenzen wollte sich Bormann nicht äußern. Dies sei Aufgabe der vierköpfigen Kommission zur Selbstkontrolle der Wissenschaft an der Universität. Diese werde aber erst den Eingang der Stellungnahme des Ministers abwarten und dann die Vorwürfe nach strengen Maßstäben prüfen. Bormann versicherte: "Wir werden sehr professionell mit der Sache umgehen und lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen."
Das heißt, dass die Affäre für Guttenberg noch lange nicht ausgestanden ist. Der Verteidigungsminister hatte am Mittwoch die Vorwürfe als abstrus bezeichnet. Fehler beim Zitieren schloss er aber nicht aus. Die möglichen Konsequenzen reichen von der Aufforderung, die Doktorarbeit nachzubessern, bis hin zur Aberkennung des Doktortitels.
Bisher sind alle Affären an Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) abgeperlt. Doch die Plagiatsvorwürfe bedrohen seinen Nimbus. "Die wichtigste Politikereigenschaft ist das Vertrauen. Wer das verspielt, hat ein Problem", sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, Klaus-Peter Schöppner, der Nachrichtenagentur Reuters. Guttenberg sei populär, weil er als authentisch, offen und vertrauenswürdig wahrgenommen werde.
Verteidigungsminister Guttenberg besuchte die deutschen Soldaten in ...   Verteidigungsminister Guttenberg besuchte die deutschen Soldaten in Afghanistan
Die Fakten scheinen gegen den CSU-Politiker zu sprechen. Der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano wirft dem Minister vor, mit seiner Dissertation gegen die Promotionsordnung der Universität Bayreuth verstoßen zu haben. Das geht aus Fischer-Lescanos Rezension für die Fachzeitschrift "Kritische Justiz" hervor, die der FTD vorab vorliegt. Guttenbergs Umgang mit wörtlichen Zitaten anderer Autoren sei so "systematisch", dass es "schwer ist zu sehen", wie die Arbeit in Einklang mit den Vorgaben der Promotionsordnung gebracht werden könne, schreibt Fischer-Lescano.
Zudem seien Texte, aus denen sich der Autor bedient habe, teilweise nicht im Literaturverzeichnis der Arbeit aufgeführt. In seiner Rezension äußert der Rechtswissenschaftler daher Zweifel, "dass die Dissertation wissenschaftlichen Mindeststandards genügt".

Teil 2: Weitere Textstellen kopiert

  • FTD.de, 17.02.2011
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