Ein Kernkraftwerk hat ein bisschen was von einem Hallenbad. Zum Beispiel Biblis. Block A, 1225 Megawatt, seit 1974 am Netz. Das Drehkreuz öffnet sich mit einem Knack, dann geht es entgegen den großen grünen Fluchtwegpfeilen auf dem Fußboden, vorbei an den Waschräumen, in die Umkleidekabine. Möglichst viel ausziehen, rät der Kraftwerksmitarbeiter, in dem orangen Spezialoverall für den Kontrollbereich wird es schnell warm. Über jeden Sicherheitsschuh werden zwei blaue Plastikgaloschen gezogen, dann weiße Stoffschuhe. Die Hände kommen in weiße Handschuhe. "Fassen Sie möglichst wenig an", heißt es. Und dann noch diese Vorschrift: Unter der Decke hängt ein Bildschirm mit dem unmissverständlichen Hinweis: "Es ist strikt verboten, in der Anlage zu urinieren oder seine Notdurft zu verrichten." Na bitte, auf alles wird scheinbar geachtet.
Dann geht es durch die Sicherheitsschleuse hoch über steile Treppen auf die Plattform im Reaktor. Unten schwappt das blaue Wasser im Abklingbecken, in dem die Brennstäbe lagern.
Daneben schraubt an diesem Tag ein Mann in Grün einem Mann in Weiß mit roten Überschuhen einen Staubfilter in die Gasmaske, bevor dieser rückwärts über eine steile Treppe zu Arbeiten in der Reaktorgrube verschwindet. Und dennoch: Ein wenig vom Hallenbad bleibt.
Aufregung kommt nicht von ungefähr
17 genehmigte Kernkraftwerke gibt es noch in Deutschland. Was sich im Inneren der Anlagen abspielt, ist den Deutschen in der Regel unbekannt. Nur eines wussten sie: Ihre AKW sind die sichersten auf der Welt. Und nun das: Störfälle. In Krümmel, Brunsbüttel, innerhalb weniger Tage. Nur häppchenweise dringen Informationen nach außen: Abschaltung wegen eines Kurzschlusses. Ein Brand am Ventil einer Turbine. Brand eines Transformators. Inzwischen wurde Brunsbüttel auf ein Viertel seiner Leistung runtergefahren. Was ist los in deutschen Atomkraftwerken?