Trend noch unbestätigtDie Bundesagentur in Nürnberg will diesen Trend noch nicht bestätigen, jedenfalls kann sie ihn nicht in Zahlen messen. Aber seit Wochen berichten Personalvermittler zwischen Ruhrgebiet und Sachsen, zwischen Schwaben und Vorpommern von einer spürbaren Zunahme der Anfragen. "Das Volumen an Bewerbungen nimmt zu", sagt Bernd Kölling, Niederlassungsleiter bei Manpower in Schwerin. "Die Leute sagen: 'Bevor ich die 16 Seiten für den Antrag auf Arbeitslosengeld II ausfülle, suche ich mir lieber einen Job.'" Natürlich könne er nicht alle unterbringen, vor allem nicht die schwer Vermittelbaren. Damit sind diejenigen gemeint, die viele Jahre aus dem Job sind, oder solche, die Probleme mit Alkohol haben. Aber freie Stellen gibt es auch für Geringqualifizierte, "klassische Helfertätigkeiten etwa im Lager, da findet sich schon was", sagt Kölling.
Auch Arbeitsmarktforscher bestätigen, dass etwas passiert. "Hartz IV bringt die Leute dazu, Arbeit anzunehmen, die sie vorher nicht angenommen hätten", sagt Herbert Buscher, Arbeitsmarktexperte beim Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Die Reform werde diejenigen am härtesten treffen, die bislang "die Systeme nutzen, um sich besser zu stellen, als wenn sie arbeiten würden". Dass die Zeitarbeit dadurch zunehme, sei zu begrüßen, solange sie vernünftig bezahlt wird und in den ersten Arbeitsmarkt führt. Buschers Kollege Victor Steiner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin schätzt die Zahl derjenigen, für die es sich künftig lohnen wird, eine gering entlohnte Beschäftigung anzunehmen, auf 400.000 bis 500.000 Personen.
Die Zeitarbeitsfirmen freuen sich, wenn sich das Geschäft belebt. "Den Schub, den wir durch Hartz IV kriegen, haben wir dringend gebraucht", sagt Anke Peiniger, Vorsitzende des Bundesverbandes Personalvermittlung. "Es gibt ja Arbeit in Deutschland, sonst bräuchten wir keine Spargelstecher aus Polen." Zur Ehrenrettung mancher Arbeitsloser müsse sie auch sagen: "Manche Unternehmen haben eines noch nicht begriffen: Auch ein 55-Jähriger kann verdammt gut sein."