Ostfriesland. Emden. Sechs Männer, Arme verschränkt, Blick gekühlt, Wutworte. Wut auf Müntefering! Der ist weit weg, in Berlin. Und doch ist er hier, in allen Köpfen, sein etwas zerknautschtes Gesicht, der Seitenscheitel, der gepresste Mund. "Das Gesetz wird kommen", sagt er immer wieder: "Das Gesetz wird kommen." Und die Männer widersprechen, in den leeren Raum hinein: "Das Gesetz kommt nicht. Nein, es kommt nicht!"
In Ostfriesland bricht ein Aufstand los. Gegen SPD-Chef Franz Müntefering. Gegen die Ausbildungsplatzabgabe. Vergangenen Donnerstag haben die Männer eine Kampagne gestartet. Sie zeigen Gesicht. Auf Plakaten. In Anzeigen. Sie fordern: "Ausbildung ja - Abgabe nein!" Wer sind sie? Klaus Rücker: Molkereibesitzer, 300 Angestellte, 200 Mio. Euro Umsatz. Er sagt: "Was Müntefering fordert, ist nicht ehrlich! "Stefan Glave: Norder Bandstahl, 197 Mitarbeiter. "Die wissen doch gar nichts."Bernd Göttrup: Modehäuser, 45 Angestellte: "Ich leg die hanseatische Zurückhaltung ab. "Bernd Wilke: Deutsche Bank, Filiale Leer: "Diese Idee mit der Abgabe geht in die Hose. "Siegmund van Grieken: Busfirma, 42 Angestellte, unkt: "Ich erwarte nix Gutes. "Folkmar Ukena: Leda-Werk, Industrieguss, 170 Angestellte. "Das bleibt Müntefering im Halse stecken. Wir akzeptieren das nicht. Wir werden kämpfen."
Und sie kämpfen nicht alleine. 20, 25 Chefs aus der Region machen mit. Die IHK Emden ist die Kommandozentrale. Und bald wird es viele Zentralen geben. Der Aufstand breitet sich aus, wird in den kommenden Tagen und Wochen über Deutschland hinwegrollen. "Die Unternehmer rennen uns die Bude ein, fragen: 'Was machen wir gegen die Abgabe?'", sagt Ausbildungsexperte Markus Kiss vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Kiss und seine Kollegen haben verstanden und tun etwas. Derzeit versenden sie Flyer, Broschüren, Anzeigen. Ausbildung ja - Abgabe nein. "Es wird wohl jede IHK mitmachen", sagt Kiss.