Im August lag die Zahl der Arbeitslosen bei 3,47 Millionen
Bislang galt auf Deutschlands Arbeitsmarkt eine eherne Regel: Wenn eine neue Krise kommt, wird alles noch schlimmer als im vorhergegangenen Abschwung. Doch diesmal ist es anders; der unheilvolle Trend scheint gebrochen. Fünf Millionen Arbeitslose zum Jahresende 2009 befürchteten Ökonomen noch zu Anfang der Krise; nun werden es hoffentlich nicht einmal vier Millionen. "Es deutet sich an, dass sich die dramatischen Szenarien nicht einstellen werden", sagt Michael Hüther, Chefvolkswirt des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Ob bei
Dax -Konzernen, im Mittelstand oder bei ganz kleinen Betrieben - überall sind Unternehmenslenker diesmal fest entschlossen, so viele Jobs wie möglich zu erhalten. Und die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte hilft ihnen dabei. Ein Mix aus Kurzarbeit, dem Entgegenkommen der Arbeiter und Angestellten in den krisengeschüttelten Betrieben sowie der in den Chefetagen gewachsenen Erkenntnis, dass gut eingearbeitete Fachkräfte immer schwerer zu bekommen sind - all das sorgt dafür, dass der GAU am Arbeitsmarkt ungeachtet der schweren Krise bisher ausbleibt.
Im August lag die Zahl der Arbeitslosen bei 3,47 Millionen. Der Anstieg um rund 9000 Jobsuchende ist niedriger als von vielen Experten erwartet. Und so rechnet die Bundesagentur für Arbeit inzwischen nicht mehr damit, dass die Vier-Millionen-Schwelle dieses Jahr überschritten wird.
Die Arbeitsmarktreformen und -umbauten der vergangenen Jahre zahlen sich in dieser Rezession aus. "Wir stecken nicht in einer strukturellen Krise", sagt Chefökonom Hüther: "Die Hausaufgaben sind bereits vor dem Einbruch der Konjunktur gemacht worden. Das ist ein Glück."