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Merken   Drucken   18.03.2010, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Das Trauma Agenda 2010

Hartz IV ist eine Reform, die Deutschland keine Ruhe lässt. Sie hat das Land wettbewerbsfähiger gemacht, aber nicht zufriedener. Warum? Eine Spurensuche zu den Anfängen, Ideengebern und Betroffenen. von Lorenz Wagner  , Maike Rademaker  und Nicole Basel 
So ein Glück. Niemand möchte ihn verprügeln. Niemand verteilt Harzer Käse. Er schaut sich um, prüft ein Gesicht nach dem anderen. Nichts Verdächtiges. Und doch zittert Peter Hartz. Mit den Händen, mit der Stimme. Wird er wieder verhöhnt werden? "Ich mache das ehrenamtlich", sagt er. Er macht es auch für die Ehre. Und heute ist sein großer Tag.
700 Kilometer entfernt, im ewig streitenden Berlin, debattiert der Bundestag mal wieder über die Reform, die seinen Namen trägt. Über "die Rolle rückwärts", die die SPD macht. Über "mehr Anreize" oder "mehr Geld". Eine "Generalrevision" fordert die FDP. "Eine einfache Antwort gibt es nicht", sagt Volker Kauder von der CDU.
Ausgerechnet an diesem Tag hat sich Peter Hartz an die Öffentlichkeit getraut. Er möchte, sagt er, als Bürger etwas tun gegen die Arbeitslosigkeit. Und deswegen startet er im fernen Saarland sein Pilotprojekt: die Minipreneure. Hartz V sozusagen.
"Egal wie man zu der Arbeitsmarktreform steht", sagt er gleich zu Beginn seiner Rede, "die Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe war eine der großen Sozialreformen, vergleichbar mit der Reform der Rentenversicherung 1957."
Peter Hartz, Namensgeber der großen Reform, startet im Saarland ...   Peter Hartz, Namensgeber der großen Reform, startet im Saarland ein neues Projekt, um Arbeitslosen zu helfen
Er ist der geistige Vater dieser großen Reform. Das wollte er auch sein. Er konnte allerdings nicht wissen, dass er auch zu etwas anderem werden würde: zum Symbol eines neuen, kalten Deutschlands. Dass sein Name es einmal in Wörterbücher schaffen sollte. Nein, das hat sich Peter Hartz so nicht vorgestellt, als er 2002 seine Kommission zusammenstellte, dieses "tolle Team", wie er heute noch sagt.
Damals setzte sich diese Gruppe von Menschen zusammen, um ein Deutschland des Jahres 2010 zu entwerfen. Es war der letzte große Anlauf für ein "Grand Design", für einen Umbau des Sozialstaats. Es ging um neue Wege und Wagnisse, um neue Ideen, tief greifende Reformen und die Reformfähigkeit Deutschlands überhaupt. "Das Land muss zu einem Zentrum der Zuversicht werden", rief Gerhard Schröder .

Teil 2: Die Widersprüche der Reform

  • Aus der FTD vom 18.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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