Der 56-jährige Godehard Z. (r.) ist seit Jahren Hartz-IV-Empfänger, nun will er seine Chance nutzen
Es geht Schlag auf Schlag, alle zehn Minuten ein neues Vorstellungsgespräch. Gegen 11 Uhr hat Kurth bereits acht Versuche hinter sich, achtmal seine Bewerbungsmappe abgegeben, achtmal im Schnelldurchgang erklärt, was er kann, was er will und was nicht. Ein Versicherungsmann habe ihm gesagt, dass er gern auch in Tracht zur Arbeit kommen könne, erzählt Kurth. Schade nur, dass er sich mit Versicherungen nicht auskenne. Eine konkrete Einladung zu einem zweiten Gespräch mit mehr Ruhe oder gar einen Arbeitsvertrag hat er noch nicht. "Mal abwarten, ob da Resonanz kommt", sagt er. Ein Jingle ertönt, Kurth springt auf, er muss zum nächsten Date.
Job-Speed-Dating ist Stress pur. Im Gewölbesaal des alten Rathauses ist es an diesem Morgen schwül, laut und voll. Kleine Tische stehen dicht an dicht, darauf Schilder mit Firmennamen: Siemens, Dussmann, Deutsche Bahn, McDonald's, rund 50 Unternehmen sind da. Immer je zwei Personen sitzen oder stehen sich gegenüber, präsentieren, fragen, machen Notizen, reichen Bewerbungsunterlagen, tauschen Telefonnummern, schütteln Hände. Es ist so intim wie zur Rush-Hour am Hauptbahnhof.
Ein Zettel an der Tischkante gibt Auskunft über die offenen Stellen, 300 sind es insgesamt. Ungelernte Tätigkeiten sind dabei, aber auch viele, die mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung verlangen, dazu ein paar Angebote für Nachwuchsführungskräfte. Möbelhäuser, Supermarktketten und Altenheime suchen neue Mitarbeiter. An den drei Siemens-Tischen herrscht Gedränge.