Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime
Nein, sagt Mina Ahadi am Telefon, gegen Fotos habe sie nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil, der Fotograf könne gern mitkommen. "Wir müssen der Polizei nur seinen Namen mitteilen", bittet sie und schiebt wie zur Entschuldigung hinterher: wegen der Sicherheit. Wer Mina Ahadi treffen will, benötigt die Erlaubnis der Polizei. Die aus dem Iran stammende Kölnerin ist Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime in Deutschland, den sie Ende Februar mit rund 40 Gleichgesinnten gegründet hat.
Die Menschenrechtlerin hat damit Neuland betreten: Noch nie zuvor haben sich Muslime, die ihrer Religion abgeschworen hatten, in Verbänden organisiert.
Noch sind Ahadi und ihre Mitstreiter eine Splittergruppe. Und sie haben einen mächtigen Gegner - den Islam. Genauer: den politischen Islam, der sich über den Staat stellt, der am liebsten das Grundgesetz durch die Scharia ersetzen will. Die Antimuslime rufen Muslime dazu auf, ihrer Religion abzuschwören, weil "der Koran mit Menschenrechten nicht vereinbar" sei, sagt Ahadi. Wegen solcher Äußerungen erhält sie Morddrohungen von Fundamentalisten, die die Polizei sehr ernst nimmt.
Es sind die Ereignisse der letzten Monate, die Ahadi zum Handeln antreiben: das Urteil der Frankfurter Richterin, die eheliche Gewalt mit dem Koran rechtfertigte; die Absetzung der Mozartoper "Idomeneo" im vergangenen September aus Angst vor Anschlägen fundamentalistischer Eiferer; der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen. Ahadi sieht darin Anzeichen einer schleichenden Kapitulation vor dem radikalen Islam und die Aufgabe abendländischer Werte.