Die Kälte in der Ukraine oder in Russland könnte Schwäne von dort zur Reise nach Westen bewogen haben, lautet eine Erklärung. Vielleicht war H5N1 aber auch die ganze Zeit in deutschen Vögeln, und keiner hat es gemerkt. Wildtiere bilden ein riesiges Reservoir, in dem der Erreger überleben kann, denn längst nicht alle Vogelarten gehen an ihm zugrunde. Auf diese Weise hat das Virus seit dem ersten Ausbruch der Seuche bei Nutztieren 2003 überlebt, obwohl Millionen von Hühnern, Enten und Gänsen notgeschlachtet wurden.
Ebenso unbekannt wie die genaue Verbreitung von H5N1 ist seine Wirkungsweise. Anders als die meisten Grippevarianten befällt es nicht nur die Lunge, sondern auch den Verdauungstrakt und das Nervensystem - vermutlich die Folge einer winzigen Mutation, wie eine vor kurzem veröffentlichte Genanalyse von 169 Erregern ergab.
Auf den ersten Blick erscheint die Bedrohung gering: Obwohl H5N1 seit mehreren Jahren in Asien grassiert, haben sich weniger als 200 Menschen mit dem Virus angesteckt. 91 sind allerdings an der Krankheit gestorben - erschreckend viele, wenn man die Todesrate mit der anderer Epidemien vergleicht. An der Spanischen Grippe, die 1918 in mehreren Wellen über den Globus schwappte, starben mindestens 20 Millionen Menschen - allerdings waren 20 Mal so viele Personen an dem Virus erkrankt.
Die Pläne, wie ein Land mit der Bedrohung durch eine Pandemie umgeht, stützen sich auf Seuchen von der Dimension der Spanischen Grippe, zwei weiterer globaler Grippewellen 1957 und 1968 und der Lungenkrankheit SARS im Jahr 2003. Experten gehen davon aus, nach denen es alle 30 Jahre eine Pandemie gibt. Die zeitliche Nähe zum SARS-Ausbruch und die Tatsache, dass H5N1 bereits Menschenleben gekostet hat und bestimmte Vögel sehr schnell an dem Virus sterben, heizt die Panik unter Laien an.