Archiv: Kosten der betrieblichen Berufsausbildung
Bürokratisches Monster befürchtetDas Biotop der Landschaftsgärtner - für Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement ein akzeptables Modell, solange sich die Tarifparteien freiwillig darauf einlassen. Hingegen lehnt er die von seiner Partei favorisierte Ausbildungsplatzabgabe strikt ab. Nach Vorstellungen der SPD soll es jedes Jahr im Herbst eine Lehrstellenzählung geben, von der lediglich Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten ausgenommen sind. Eine Erfassungsstelle - möglicherweise die Bundesagentur für Arbeit - würde Anspruch und Wirklichkeit abgleichen und dann die erforderliche Ausbildungsquote festlegen.
Zwischen 6000 und 8000 Euro für jede fehlende Lehrstelle müssten jährlich aufgebracht werden, rechnen die Wegbereiter der Ausbildungsplatzabgabe. Das würde sich auf 160 Mio. Euro summieren, wenn wie im vergangenen Jahr 20.000 Jugendliche ohne Lehrstelle bleiben.
"Welch bürokratisches Monster", stöhnt Handwerkspräsident Philipp. "Interventionistisch, bürokratisch, mittelstandsfeindlich!", poltern die Volkswirte der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand. "Kontraproduktiv", warnt der Rat der fünf Wirtschaftsweisen. Schützenhilfe erhalten sie von sozialdemokratischen Länder-Regierungschefs wie dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck und dessen nordrhein-westfälischem Amtskollegen Peer Steinbrück, die sich höchstens mit freiwillige Lösungen abfinden könnten: einer Gartenzwerg-Idylle, wie sie die Landschaftsbauer kennen.
In der Baubranche existiert ein ähnliches Umlagemodell. Alle Betriebe führten im vergangenen Jahr 1,6 Prozent der Bruttolohnsumme ab, insgesamt immerhin 260 Mio. Euro. "Trotzdem halbierte sich die Zahl der Ausbildungsplätze seit 1996", wendet DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun ein. Aber wie die Landschaftsgärtner verteidigen auch die Bauarbeitgeber ihre Abgabe. "Sinkt die Zahl der Beschäftigten auf Grund des Strukturwandels drastisch, werden natürlich weniger Lehrlinge eingestellt", sagt Werner Kahl, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes. "Ohne die Umlage gäbe es sicher noch viel weniger Lehrstellen."