FTD.de » Politik » Deutschland » Häuserkampf

Merken   Drucken   29.03.2007, 20:05 Schriftgröße: AAA

Agenda: Häuserkampf

In Kürze macht der Bundesrat den Weg für REITs frei. Für die deutsche Finanzlobby ist die Zulassung der Immobilien-AGs bestenfalls ein Teilerfolg. Sie hat den Kampf um die Aufnahme von Wohnungen verloren - gegen eine Handvoll cleverer Mieterschützer. von Guido Bohsem (Berlin) und Reinhard Hönighaus (Frankfurt)
Europas größter Immobilienmarkt   Europas größter Immobilienmarkt
Klaus Droste ist ein Siegertyp. Ein Investmentbanker, der schnell redet, noch schneller denkt, als er reden kann, und manchmal auch die Geduld verliert. In der Frankfurter Welt des Geldes und des großen Geschäfts trägt der Kapitalmarktspezialist der Deutschen Bank  den Spitznamen "Einstein" - nicht nur wegen seiner langen weißen Haare. Droste ist der Vater des deutschen REIT. Er hat die Idee ausgebrütet, die von der Steuer befreiten, börsennotierten Immobilienfirmen auch hierzulande einzuführen.
Am Freitag wird der Bundesrat in Berlin endgültig den Weg für die REITs freimachen. Es könnte ein guter Tag für Droste sein. Könnte. Aber das Konstrukt wird nur ein Teil des Marktes umfassen. Ein besonders lukratives Segment bleibt aus dem Gesetz ausgeklammert: die Wohnimmobilien.
Schuld daran hat vor allem Franz-Georg Rips. Der Direktor des Deutschen Mieterbunds ist der personifizierte Gegenentwurf zum früheren McKinsey-Manager Droste. Er ist Träger des Schmidt-Futterer-Preises, der jährlich für eine herausragende Monografie zum Miet- und Wohnungsrecht vergeben wird. Rips kommt etwa so daher wie der Direktor einer Kreissparkasse: freundlich, verbindlich, verschmitzt. "Ich bin Vertreter des alten rheinischen Kapitalismus", sagte er über sich selbst.
Zu kompliziert, zu unhandlich
Rips gegen Droste. Das ist Klappkalender gegen Blackberry, das alte Westdeutschland gegen New Germany, Mieterschützer gegen Manager. Der Kampf der beiden um die REITs ist ein Lehrstück über den Lobbyismus in Deutschland. Ein Beispiel dafür, dass selbst die finanzstärkste Interessengruppe verlieren kann, wenn sie die Spielregeln des parlamentarischen Betriebs nicht beachtet. Ein Beispiel, wie man dem angelsächsischen Turbo-Kapitalismus ein Schnippchen schlagen kann. Weil sich zwar das Denken der Geschäftswelt amerikanisiert hat, die Politik aber nach den Regeln der alten Bundesrepublik tickt.
Alles begann im Jahr 2003 dort, wo das Herz der alten Deutschland AG schlug. In der Zentrale des Düsseldorfer Energiekonzerns Eon rätselten Droste und andere Manager darüber, wie die Immobilientochter Viterra mit 138.000 Wohnungen am besten zu Geld zu machen wäre. "Die Frage war, warum gibt es so wenig Immobilien-AGs in Deutschland?", erzählt Droste heute. Bis dato waren nur offene Immobilienfonds vorhanden, eine deutsche Besonderheit: zu kompliziert, zu unhandlich für das große Geschäft, das einen geschmeidigen Handel voraussetzt. Mit den international verbreiteten REITs dagegen könnte der Betonbesitz besser an den Anleger gebracht werden, propagierte Droste.
Die Erwartungen waren nicht groß, sie waren gewaltig. Auf mehr als 100 Mrd. Euro Marktkapitalisierung könnten es die REITs binnen wenigen Jahren bringen, rechnete Droste vor. Für Großinvestoren wie Pensionskassen und Versicherer wären Immobilien eine begehrte Anlageklasse. Mit den gut kalkulierbaren Mieteinnahmen könnten sie ihre langfristigen Verbindlichkeiten abdecken. Privatanleger könnten mit REITs für die Rente sparen. Umgekehrt könnten Unternehmen das in ihren Immobilien gebundene Kapital freisetzen. Und Deutschlands Kommunen könnten über die Börse ihre Wohnungsbestände verkaufen. Könnten.
Droste machte sich ans Werk. Wie alle guten Lobbyisten suchte er sich Verbündete, schuf Allianzen. Die Initiative Finanzmarkt Deutschland (IFD) bot das ideale Forum, um den Plan einzuspeisen. Hier treffen Vertreter der Banken, Versicherer und Verbände regelmäßig auf hohe Beamte des Bundesfinanzministeriums.

Lesen Sie weiter, wie das öffentliche Klima umschlug

  • Aus der FTD vom 30.03.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Regierungsbildung: Doch noch ein Lebensgeist in Griechenland

    Die griechische Wirtschaft wächst wieder - das ist ein Hoffnungsschimmer für das geplagte Land. Und ein Grund mehr, warum eine pragmatische Regierung an die Macht kommen sollte. Die Griechen sollten das bei ihrer nächsten Wahl bedenken. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote