Europas größter Immobilienmarkt
Klaus Droste ist ein Siegertyp. Ein Investmentbanker, der schnell redet, noch schneller denkt, als er reden kann, und manchmal auch die Geduld verliert. In der Frankfurter Welt des Geldes und des großen Geschäfts trägt der Kapitalmarktspezialist der
Deutschen Bank den Spitznamen "Einstein" - nicht nur wegen seiner langen weißen Haare. Droste ist der Vater des deutschen REIT. Er hat die Idee ausgebrütet, die von der Steuer befreiten, börsennotierten Immobilienfirmen auch hierzulande einzuführen.
Am Freitag wird der Bundesrat in Berlin endgültig den Weg für die REITs freimachen. Es könnte ein guter Tag für Droste sein. Könnte. Aber das Konstrukt wird nur ein Teil des Marktes umfassen. Ein besonders lukratives Segment bleibt aus dem Gesetz ausgeklammert: die Wohnimmobilien.
Schuld daran hat vor allem Franz-Georg Rips. Der Direktor des Deutschen Mieterbunds ist der personifizierte Gegenentwurf zum früheren McKinsey-Manager Droste. Er ist Träger des Schmidt-Futterer-Preises, der jährlich für eine herausragende Monografie zum Miet- und Wohnungsrecht vergeben wird. Rips kommt etwa so daher wie der Direktor einer Kreissparkasse: freundlich, verbindlich, verschmitzt. "Ich bin Vertreter des alten rheinischen Kapitalismus", sagte er über sich selbst.
Zu kompliziert, zu unhandlich
Rips gegen Droste. Das ist Klappkalender gegen Blackberry, das alte Westdeutschland gegen New Germany, Mieterschützer gegen Manager. Der Kampf der beiden um die REITs ist ein Lehrstück über den Lobbyismus in Deutschland. Ein Beispiel dafür, dass selbst die finanzstärkste Interessengruppe verlieren kann, wenn sie die Spielregeln des parlamentarischen Betriebs nicht beachtet. Ein Beispiel, wie man dem angelsächsischen Turbo-Kapitalismus ein Schnippchen schlagen kann. Weil sich zwar das Denken der Geschäftswelt amerikanisiert hat, die Politik aber nach den Regeln der alten Bundesrepublik tickt.