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Merken   Drucken   19.02.2010, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Hochtiefpunkt Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie war einst ein großer Traum der Hamburger. Längst ist sie ein Albtraum - und ein Paradebeispiel für Großprojekte, die der öffentlichen Hand völlig entgleiten. Ein Ende des Dramas ist nicht in Sicht. von Ulf Brychcy  und Matthias Lambrecht, Hamburg
Das hat ihn wirklich getroffen. "Wir sind nicht irgendeine Heuschrecke, die hier reinhüpft", sagt Thomas Möller, und die Röte steigt ihm ins Gesicht. Für den Hochtief -Manager ist die Arbeit auf dem Bau Familientradition. Sein Vater war Bauunternehmer, führte den kleinen Thomas "am Patschehändchen" in diese Welt ein.
Er baut etwas ganz Großes: Draußen, vor seinem Büro in der Hafencity, wächst es aus einem alten Kakaospeicher. 110 Meter hoch, wellenförmiges Dach, darunter Luxuswohnungen, ein Hotel, eine Plaza im siebten Stock mit Blick über Hamburg und mittendrin der akustisch ausgeklügeltste Konzertsaal der Welt - die Elbphilharmonie. "Unser gemeinsames Ziel ist es, eines der besten Konzerthäuser der Welt zu bauen", sagt Möller und grinst. Es klingt fast sarkastisch.
Für den Baukonzern Hochtief und dessen Manager Thomas Möller muss ...   Für den Baukonzern Hochtief und dessen Manager Thomas Möller muss der Hamburger Senat für die Fehlplanungen bei der Elbphilharmonie einstehen
Denn richtig begeistert ist in Hamburg fast niemand mehr. Seit Monaten wird gestritten: über die Kosten, die explodieren, über Pläne und Fehlplanungen - und die Verantwortung für das Desaster. Einen Nachschlag von 137 Mio. Euro hat Hochtief bereits vor gut einem Jahr durchgesetzt. Die Summe, die ursprünglich die öffentliche Hand aufbringen sollte, hat sich damit glatt verdoppelt. Nun droht der Konzern mit einem Jahr längerer Bauzeit, fordert 22 Mio. Euro zusätzlich - und plötzlich kommt dieser Vorwurf aus der schwarz-grünen Koalition: "Heuschrecke". Das bringt Möller in Rage.
Längst ist der Prestigebau zu einem Problembau geworden, der den Hamburger Haushalt mit immer höheren Summen belastet, während die Stadt spart und die Steuern einbrechen. Bei den Verantwortlichen liegen die Nerven blank.
Die Baustelle der Elbphilharmonie im Januar 2010   Die Baustelle der Elbphilharmonie im Januar 2010
Zu lange haben sie es nicht geschafft, das Zusammenspiel zwischen dem Generalunternehmer Hochtief und dem Architektenbüro Herzog & de Meuron zu steuern. Zu selten haben sie die Schweizer Architekten in ihren Fantasien gebremst. Sie haben die Öffentlichkeit getäuscht und die Risiken des Projekts verschwiegen. Und sie haben sich mit einem Baukonzern eingelassen, dessen Finesse beim Aufstellen von Nachforderungen sie kaum gewachsen sind.
Dabei hatte man mit der Elbphilharmonie alles anders machen wollen als bei den unzähligen Bauprojekten der öffentlichen Hand, deren Kosten aus dem Ruder laufen.

Teil 2: Immer ambitioniertere Pläne

  • Aus der FTD vom 19.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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