Ministerpräsident Carstensen (l.) lässt es ruhig angehen, Ralf Stegner von der SPD wirkt dagegen gehetzt
Schleswig-Holstein ist ein Land, das am Boden liegt, geplagt von einer horrenden Schuldenlast von mehr als 23 Mrd. Euro. Jeder sechste Euro, den das Land einnimmt, geht für Zinszahlungen drauf - und die Lasten der maroden HSH Nordbank machen alles noch viel schlimmer. Es ist ein Land, das eigentlich eine handlungsfähige Regierung bräuchte - aber Schleswig-Holstein hat Peter Harry Carstensen und
Ralf Stegner .
Die beiden Männer könnten unterschiedlicher nicht sein. Carstensen ist der Käpt'n Iglo der Landespolitik, gemütlich, umgänglich, ein echter Landesvater. Der 62-Jährige, ein gelernter Landwirt aus Nordfriesland, ist ungeschlagen im Geplauder mit den Leuten auf der Straße. Doch aus dem politischen Geschäft hält er sich lieber raus. CDU-Landeschef wird er vor sieben Jahren eher aus Zufall - weil er als einziger im zerstrittenen Landesverband mit allen gut kann. Seit 2005 ist er Ministerpräsident - bundesweit bekannt wird er, als er im Wahlkampf via "Bild" eine Frau sucht.
Stegner, sein Gegenspieler von der SPD, wirkt dagegen kühl, scharfsinnig, provokativ, ein Karrieretyp. Promotion in Politikwissenschaft, Abschluss in Harvard, mit 30 Pressesprecher im Kieler Sozialministerium, mit 36 Staatssekretär, mit 43 Minister. Mit 49 tut er jetzt alles, um ganz an die Spitze zu kommen. Seit Jahren trägt Stegner eine Fliege, um sich ein Markenzeichen zu schaffen. Zuletzt lässt er den Hemdkragen aber häufig offen, weil seine Berater ihm sagten, die Fliege wirke elitär. Stegner bemüht sich, volksnäher und sympathischer zu erscheinen, aber es gelingt ihm schlecht. Er redet oft über die Köpfe seiner Zuhörer hinweg, spricht näselnd und schnoddrig. Der Mann lässt andere spüren, dass er sich für intelligent hält.