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28.09.2009, 21:42
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Agenda:
Kopflose SPD in der Selbstfindungsphase
Nach der historischen Niederlage fällt der Aufstand bei den Sozialdemokraten vorerst aus. Doch die Nachfolge von Parteichef Franz Müntefering ist offen. Gegen den künftigen Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier regt sich Widerstand.
von Matthias Lambrecht
und Peter Ehrlich Berlin
Ein Pult bleibt leer. Eigentlich sollte
Frank-Walter Steinmeier am Nachmittag mit auf der Bühne des Willy-Brandt-Hauses stehen. Aber er befindet sich ein paar Stockwerke höher, auf einer Sitzung des Parteivorstands, wo noch die Köpfe rauchen. Wo Antworten gesucht werden, auf all die quälenden Fragen.
Also muss
Franz Müntefering allein ran, die Fragen der Journalisten beantworten. Dabei ist er es, der sein Pult bald räumen wird. "Ich will mithelfen, dass wir uns in den nächsten Tagen und Wochen aufstellen für die dann kommende Zeit", sagt er. Für die Zeit nach ihm. Spekulationen über seinen Abschied vom SPD-Vorsitz seien "nah an der Wahrheit". In den nächsten zwei Wochen werde es einen Vorschlag für eine neue Führung geben.
Müntefering wird gehen, es ist die einzige große Nachricht am Tag eins nach einer Niederlage, die seit Sonntag 18 Uhr nur noch "historisch" heißt. Kein Aufstand in Sicht, keine Anführer einer Rebellion.
Die Schlacht ist geschlagen: Plakatierer bauen am Montag in Berlin ein Wahlplakat des SPD-Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier ab
Es brodelt leise in der Partei. Der Schock über das schlechte Ergebnis sitzt zu tief, als dass die Emotionen nach draußen kochen. Der Parteichef wird gehen, ja, es findet sich keiner mehr, der sich für ihn stark macht. Die Revolution aber fällt aus - vorerst.
Als die Vorstandsmitglieder kurz nach Münteferings Auftritt nach stundenlangen Beratungen aus der Parteizentrale kommen, sind sie weniger gesprächig als sonst. Zu unübersichtlich ist die Lage. Einige sind vorsichtig, wollen nichts überstürzen, wollen erst die Stimmung an der Basis testen.
Bilderserie
Gewinner und Verlierer der Wahl
Seit 1995 hat die SPD sechsmal ihre Vorsitzenden ohne große Diskussionen praktisch über Nacht gewechselt - von Rudolf zu Oskar zu Gerd zu Franz zu Matthias zu Kurt und wieder zu Franz. Nun geht zum ersten Mal einer, ohne dass der Nachfolger ausgekungelt wurde.
Dabei hatte Müntefering am Abend seiner schlimmsten Niederlage noch einmal beteuert, dass er weiter zur Verfügung stehe: "Man muss sich dieser Verantwortung stellen, auch als Parteivorsitzender." In den sechsten Stock der Parteizentrale, wo sie den Alten auf dem Bildschirm beobachten, kehrt er danach nicht mehr zurück.
Teil 2: Steinmeier steht für die Agenda 2010
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Aus der FTD vom 29.09.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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