Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber
Ein Eisbrecher scheint das geeignete Werkzeug zu sein, um jetzt noch Wahlkampf zu führen. Am frühen Nachmittag versammeln sich die Vorstände der CDU Mecklenburg-Vorpommerns an der Mole im Rostocker Hafen. Vor ihnen liegt der Traditionseisbrecher "Stettin", der bereits schweren, schwarzen Rauch in den grauen Nieselregenhimmel pustet. Vor ihnen liegen auch 38 Tage Wahlkampf, die sie eigentlich sanft schaukelnd auf der Ostsee bei einem Bierchen besprechen wollten.
Doch der Ausflug wird eher stürmisch. Denn hinter den Unionspolitikern liegt eine Serie von Pleiten und Pannen. "Letzte Woche Schönbohm, und jetzt Stoiber", stöhnt Eckhardt Rehberg, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Schweriner Landtag. Erstmals kandidiert er für den Bundestag. Die Fahrt auf der "Stettin" mag vielleicht noch Vergnügen sein, doch am Abend wird es unangenehm: Da muss er nach Hause, nach Ribnitz-Damgarten. Dort warten seine Freunde und Nachbarn, und sie warten einmal mehr auf eine Erklärung.
Wahlkampf im Chaos
Mit seiner Bierzeltrede im baden-württembergischen Argenbühl hat Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber den Wahlkampf der Union ins Chaos gestürzt.
Die Sätze erreichten die Hauptstadt erst nach einigen Tagen, aber dafür umso heftiger. "Ich akzeptiere es nicht, dass letzten Endes erneut der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird, meine sehr verehrten Damen und Herren. Wir leisten jedes Jahr etwa 120 bis 130 Mrd. Euro Finanzausgleich zur Aufbausituation der neuen Länder. Aber es darf nicht sein, dass letztlich die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen", keilt der CSU-Chef vor seinen Anhängern.