Klaus Ernst vom Bundesvorstand der Partei "Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit" (WASG)
Hinten in der Ecke sitzt Innenminister Otto Schily. "Bei meinem Anblick wird ihm der Appetit schon noch vergehen", kaut Ernst. Er schwelgt in seiner Rolle als wandelnder Albtraum der SPD: Eben war er bei N-TV, davor bei Sabine Christiansen, beim ZDF, bei N24, bei Phoenix, bei fünf Rundfunksendern, und zwischendurch hat er unzählige Interviews per Handy gegeben.
Das Leben könnte so schön sein, seine Biografie so treppenwitzig: Vom bockigen Elektrolehrling, den kein Betrieb übernehmen wollte, hat er sich zum IG-Metall-Geschäftsstellenleiter in Schweinfurt hochgestreikt. 30 Jahre lang war er Sozialdemokrat, bis er im März 2004 als Linksabweichler aus der SPD ausgeschlossen wurde. Und nun, bei der geplanten Neuwahl am 18. September, könnte er es mit dem Wahlbündnis von PDS und WASG bis in den Bundestag schaffen, bis ganz nach oben - wenn, ja wenn es bis Ende der Woche mit dem Namen klappt.
"Scheißname", flucht Ernst zwischen zwei Weißweinschlucken. "An dem darf's einfach nicht scheitern." Nur vier Tage bleiben ihm, um die drei Buchstaben P und D und S zumindest im Westen aus dem Etikett des geplanten Gemeinschaftsprojekts wegzuverhandeln. Denn sonst macht seine WASG nicht mit. Ernst will der Anti-Agenda-2010-Partei zwei Namen geben: einen für den Westen ("Demokratische Linke") und einen für den Osten ("Demokratische Linke/PDS").
Ultimatum für die WASG
Kommt es bis Freitag zu keiner Einigung, wäre die von Ernst schon gefeierte "historische Sensation" des Linksbündnisses geplatzt. Der Verhandlungsführer und Wahlkampfleiter der PDS, Bodo Ramelow, hat ein Ultimatum gestellt: Entweder die kleine WASG sagt verbindlich zu und schließt sich der großen PDS an - oder die SED-Erbin startet ihren Wahlkampf allein: "Bis Ende der Woche muss eine Verabredung geschlossen sein", droht Ramelow. "Es gibt irgendwann einen Punkt, wo wir sagen: Man muss auch springen."
Springt die WASG nicht, dann bliebe das gemeinsame, von Forsa derzeit auf neun Prozent geschätzte Wählerpotenzial unausgeschöpft. Eine gesamtdeutsche Fundamentallinke bliebe Hirngespinst des Spitzenduos Oskar Lafontaine und Gregor Gysi. Und die SPD wäre unsagbar erleichtert.