Sigmar Gabriel (SPD): Der wendige Pragmatiker
Es ist ein eigenartiges Paar, das die SPD nach Erleben ihres schlimmsten Albtraums an der Spitze installieren will. Sigmar Gabriel und Andrea Nahles - beide sind Politiker mit dem gewissen Extradrang zur Macht. Beide gehören zu den wenigen, bei denen das Wort "Hoffnungsträger" und "Bundeskanzler" früh in ihrer Biografie auftaucht.
Nahles hat als 19-Jährige in der Abiturzeitschrift ihrer Schule als Berufswunsch angegeben: "Hausfrau oder Bundeskanzlerin". Gabriel war Ministerpräsident, gerade 42 Jahre alt, als
Gerhard Schröder über ihn verbreiten ließ, er habe das Zeug, später einmal Parteichef und Kanzler zu werden.
Und beide passen irgendwie so gar nicht zusammen: Gabriel, der wendige Pragmatiker, Nahles, die linke Programmatikerin. Bisher können sie sich nicht leiden. Nahles hat 2007 sogar verhindert, dass Gabriel ins Parteipräsidium aufrückt. Wird solch ein Paar nun Seit' an Seit' marschieren?
Die designierte Parteispitze versuchte in den Wochenendinterviews, solche Zweifel zu zerstreuen. Niemand sprach von einem Duo - oder Trio, wenn man Frank-Walter Steinmeier an der Fraktionsspitze dazuzählt -, sondern von einem "Team", das die Partei führen soll. "Der Grundgedanke des Wechsels an der Spitze ist, die SPD als Team zu führen", sagte Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit dem "Tagesspiegel".
Mit dem Personalpaket, zu dem Wowereit als designierter Parteivize auch gehört, sei es gelungen, "widerstrebende Kräfte in einer neuen Führung zu bündeln". Auch Olaf Scholz, ebenfalls einer der künftigen Stellvertreter, beschwor in der "FAS" die "kollektive Führung". Angesprochen auf die Rolle von Nahles, sagte er: "Viele werden in der SPD künftig wichtig sein, auch Nahles."