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Merken   Drucken   05.10.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Nahles und Gabriel - das Albtraumpaar der SPD

In ihrer größten Not installiert die SPD zwei ihrer Hoffnungsträger an der Spitze: Sigmar Gabriel und Andrea Nahles. Zwei Machtmenschen, die nicht zusammenpassen und schwer miteinander können. Wie soll das gehen? von Peter Ehrlich  Berlin und Horst von Buttlar  Hamburg
Wenn zwei Wortgewaltige plötzlich schweigen, wird es ernst. Sigmar Gabriel verstummt schon am Tag nach der Wahl, nur ein kleines, ganz harmloses Interview hat er am Wahlsonntag dem "Spiegel" gegeben. "Ich bin jetzt zum zweiten Mal Bundestagsabgeordneter mit Direktmandat", sagt er lakonisch und demütig über seine Zukunft. "Und da hat man gefälligst seine Arbeit zu machen." Ansonsten hält er sich raus bei all dem, was nach einer Wahl an Analysen, Aufrufen und Ansagen so folgt. Andrea Nahles spricht ab Dienstag nicht mehr öffentlich. Nur nichts falsch machen, bis die neue Führung der SPD steht.
Ein Duo, das bisher fast nie miteinander, aber gelegentlich gegeneinander agiert hat, hat plötzlich ein gemeinsames Interesse: die Führung von Deutschlands ältester Partei zu übernehmen.
Es wird keine Krönung sein, keine vom breiten Jubel getragene Inthronisierung. Das Vorgehen der SPD nach dem Untergang vom 27. September ist bisher kein Neuanfang, dem irgendein Zauber innewohnt. Die Neubesetzung der Spitzen wirkt hastig und handstreichartig, keine lange Debatte gab es, schon gar keine Befragung der Basis.
Andrea Nahles (SPD): Berufswunsch "Hausfrau oder ...   Andrea Nahles (SPD): Berufswunsch "Hausfrau oder Bundeskanzlerin"
Was auch für Unmut gesorgt hat. Von einem "Hauruckverfahren, das einer Ämterpiraterie gleichkommt", spricht das SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer . "Das hinterlässt den Eindruck, dass einige Leute würfeln, und das Ergebnis zählt dann", schimpft der Parteilinke Ottmar Schreiner.
Doch der Fahrplan steht fest: Am Montag sollen Präsidium, Vorstand und die Vertreter der Landesverbände die neue Führung absegnen. Ursprünglich sollte die Sitzung erst Freitag stattfinden, doch sie wurde kurzfristig vorgezogen. Über die neue Spitze wird endgültig der Parteitag Mitte November entscheiden.
Sigmar Gabriel (SPD): Der wendige Pragmatiker   Sigmar Gabriel (SPD): Der wendige Pragmatiker
Es ist ein eigenartiges Paar, das die SPD nach Erleben ihres schlimmsten Albtraums an der Spitze installieren will. Sigmar Gabriel und Andrea Nahles - beide sind Politiker mit dem gewissen Extradrang zur Macht. Beide gehören zu den wenigen, bei denen das Wort "Hoffnungsträger" und "Bundeskanzler" früh in ihrer Biografie auftaucht.
Nahles hat als 19-Jährige in der Abiturzeitschrift ihrer Schule als Berufswunsch angegeben: "Hausfrau oder Bundeskanzlerin". Gabriel war Ministerpräsident, gerade 42 Jahre alt, als Gerhard Schröder  über ihn verbreiten ließ, er habe das Zeug, später einmal Parteichef und Kanzler zu werden.
Und beide passen irgendwie so gar nicht zusammen: Gabriel, der wendige Pragmatiker, Nahles, die linke Programmatikerin. Bisher können sie sich nicht leiden. Nahles hat 2007 sogar verhindert, dass Gabriel ins Parteipräsidium aufrückt. Wird solch ein Paar nun Seit' an Seit' marschieren?
Die designierte Parteispitze versuchte in den Wochenendinterviews, solche Zweifel zu zerstreuen. Niemand sprach von einem Duo - oder Trio, wenn man Frank-Walter Steinmeier an der Fraktionsspitze dazuzählt -, sondern von einem "Team", das die Partei führen soll. "Der Grundgedanke des Wechsels an der Spitze ist, die SPD als Team zu führen", sagte Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit dem "Tagesspiegel".
Mit dem Personalpaket, zu dem Wowereit als designierter Parteivize auch gehört, sei es gelungen, "widerstrebende Kräfte in einer neuen Führung zu bündeln". Auch Olaf Scholz, ebenfalls einer der künftigen Stellvertreter, beschwor in der "FAS" die "kollektive Führung". Angesprochen auf die Rolle von Nahles, sagte er: "Viele werden in der SPD künftig wichtig sein, auch Nahles."

Teil 2: Warum die Genossen zweifeln

  • Aus der FTD vom 05.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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