Das Kernkraftwerk Biblis
Im Herzen des Atomreaktors, in der Kuppel von Biblis A, in der gefährlichsten Zone des laut Kernkraftgegnern gefährlichsten Meilers Deutschlands. In keinem anderen gibt es so viele Pannen, behaupten die Gegner, beziehungsweise meldepflichtige Vorkommnisse, wie der Betreiber es nennt. Der Schichtleiter ist bester Stimmung. "Schauen Sie auf Ihr Dosimeter!", ruft er triumphierend, "schauen Sie genau hin!" 0,000 radioaktive Strahlung zeigt es an, das Dosimeter. Und das direkt über dem Brennelementelagerbecken, wo sich das verseuchte Material fünf Jahre lang abreagiert, bis es verlagert werden kann. "Bei einer Gebirgswanderung kriegen Sie mehr Strahlung ab als bei uns in der Kuppel!", schwärmt der Schichtleiter. So ruhig, so strahlend türkis das Wasser im Lagerbecken. Fast wie ein Alpensee.
Auch der Chef des Schichtleiters, Hartmut Lauer, der Werksleiter von Biblis, hat nur gute Nachrichten. Zwar ist Biblis A der nächste Abschaltkandidat. Im nächsten, spätestens im übernächsten Jahr soll es laut Atomgesetz stillgelegt werden. Doch an dieses Atomgesetz scheint hier in der südhessischen Einöde - wo
RWE in den letzten sechs Jahren knapp 1 Mrd. Euro in die Nachrüstung der Reaktoren gesteckt hat - niemand zu glauben. Lauer wirkt keineswegs wie einer, der kurz vorm Arbeitsplatzverlust steht. Sein neuester Stolz ist die Vernebelungsanlage, mit der er seine zwei Meiler in Zukunft tarnen will, wenn Terroristen im Anflug sind. "Das Genehmigungsverfahren läuft schon."
Was nicht läuft, ist die Vorbereitung zur Abschaltung. Mindestens eineinhalb Jahre vor Reaktor-Stilllegung müsste sie eingeleitet werden, sagt Lauer. Würde der im Jahr 2000 beschlossene Atomausstieg nach Plan vollzogen, wäre es also höchste Zeit. Doch Lauer sagt auch, und das ziemlich ungeduldig: "Die Welt hat sich eben verändert seit 2000."