Große Gefühle. Bloß nicht. Fünf gestandene Männer, renommierte Ökonomen noch dazu - da ist Wehmut fehl am Platz. Also, Pokerface. "Das Produkt zählt", sagt Joachim Scheide, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. "Wir sind streitbar wie immer", beteuert Udo Ludwig, erster Konjunkturmann des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Er ist Gastgeber der diesjährigen Frühlingsklausur in Halle an der Saale.
Die Vertreter der fünf führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sitzen an einem Tisch, zwei Wochen lang. Noch bis Dienstagfrüh streiten sie, versöhnen sich, rechnen, rechnen wieder und aktualisieren. "Bis zur letzten Minute in der letzten Nacht können sich Änderungen ergeben", sagt Ludwig. "Da zählt auch Sitzfleisch." Erst dann steigt weißer Rauch auf. Erst dann haben sich die fünf Wirtschaftskardinäle auf eine gemeinsame Wachstumsprognose verständigt, die wohl meistbeachtete Konjunkturzahl Deutschlands.
Eine Zahl, die Schicksale von Politikern mitbestimmt, die Gemütslage von Wirtschaftsbossen und Bürgern prägt. Doch jetzt geht es auch um das Schicksal der fünf Männer. Für einige von ihnen ist es das letzte Mal. Vielleicht für Gastgeber Ludwig? Oder für Alfred Steinherr, Konjunkturchef des Berliner DIW? Mit seinem lilafarbenen Streifenhemd, das eine Krawatte mit lustigen Tieren ziert, muntert er die Herrenrunde zumindest optisch auf. Sie zittern alle: der Konjunkturguru des RWI, Roland Döhrn, des Kieler Instituts, Joachim Scheide und des Ifo, Gebhard Flaig. Niemand von ihnen weiß, ob er bei der Herbstprognose 2007 noch dabei sein wird.