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  29.09.2008, 19:02    

Agenda: Stütze vom Staat

Mit einer Bürgschaft über 26,6 Mrd. Euro bewahrt die Bundesregierung den Dax-Konzern Hypo Real Estate vor der Pleite. Dafür will sie notfalls sogar ihr Ziel eines ausgeglichenen Haushalts opfern. Ein Protokoll der dramatischen Rettungsaktion. von Birgit Marschall (Berlin)
Es ist weit nach Mitternacht, als Angela Merkel noch einmal zum Telefonhörer greift und Josef Ackermann  anruft. Das Gespräch mit dem Chef der Deutschen Bank  bringt den Durchbruch, gegen 1.30 Uhr Montag früh steht der Rettungsplan: Die Bundeskanzlerin und der Vorstandsvorsitzende der größten deutschen Bank wollen mit einer Milliardenspritze den Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate  (HRE) vor dem Untergang bewahren. "Merkel und Ackermann haben den gordischen Knoten durchtrennt", berichtet einer, der die hektischen Beratungen zwischen der Regierungsspitze, dem Bundesverband deutscher Banken (BdB), der Finanzaufsicht BaFin und der Bundesbank in den Stunden zuvor aus nächster Nähe beobachtet hat.
Was für ein Wochenende! Die Kanzlerin, Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und die Verantwortlichen der deutschen Bankenwelt stehen unter Zeitdruck. Sie wissen: Ein Ergebnis muss her, bevor um zwei Uhr die Börse in Tokio öffnet. Andernfalls wird an den Finanzmärkten Panik ausbrechen. Schließlich gehört der Dax -Konzern HRE zu den Schwergewichten der deutschen Börse. Am späten Sonntagabend haben einige Medien bereits über den drohenden Kollaps des Unternehmens berichtet.
Was Merkel und Ackermann in ihrem Telefonat festzurren, ist die größte Gemeinschaftsaktion des Staats und der Finanzbranche zur Rettung eines privaten Unternehmens in der deutschen Geschichte. Mit einer Geldspritze von 35 Mrd. Euro sollen die Bundesbank und private Kreditinstitute der HRE beispringen. Der Bund sichert die Transaktion mit einer Bürgschaft von bis zu 26,6 Mrd. Euro ab, die privaten Banken gehen mit maximal 8,4 Mrd. Euro ins Obligo.
Helfer in der Not: Die Bundesregierung will mit aller Macht den ...   Helfer in der Not: Die Bundesregierung will mit aller Macht den Zusammenbruch des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate verhindern
Hypo Real Estate hat die Darlehen mit Sicherheiten im Wert von 42 Mrd. Euro hinterlegt. Fachleute rechnen dennoch damit, dass die Bank Garantien des Bundes in Anspruch nehmen muss. Damit wären die hehren Haushaltsziele, auf denen die Regierung beharrt, obsolet: Einen Etat ohne neue Schulden bis zum Jahr 2011 würde es dann nicht geben.
Dem hektischen Wochenende gehen dramatische Stunden voraus. Am Freitag meldet sich HRE-Chef Georg Funke  bei der BaFin in Frankfurt. Seinem Institut drohe die Zahlungsunfähigkeit, sagt Funke dem überraschten Chefaufseher Jochen Sanio. In der zu Ende gehenden Woche hätten sich die Refinanzierungsmöglichkeiten der irischen HRE-Tochterfirma Depfa so dramatisch verschlechtert, dass HRE unmittelbar vor der Pleite stehe. Nur noch bis Dienstag könne HRE die Insolvenz abwenden, berichtet Funke. Sanio unterrichtet Steinbrück, der sofort die Kanzlerin einschaltet.
Bilderserie Bilderserie: Finanzkrise überrollt europäische Banken
"Am Samstag wurde den ganzen Tag telefoniert, da liefen die Drähte heiß", heißt es in Steinbrücks Umfeld. Die Beratungen mit Bankenverband, BaFin und Bundesbank bleiben jedoch ergebnislos. Am Sonntagmorgen fliegt Steinbrücks Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen nach Frankfurt, um den ganzen Tag über mit Sanio, Bundesbank-Chef Axel Weber, Ackermann, BdB-Chef Klaus-Peter Müller  und weiteren Bankenvertretern eine Lösung zu erarbeiten. Steinbrück und immer wieder Merkel werden telefonisch zugeschaltet. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet , wird ebenfalls regelmäßig über Zwischenstände informiert. "Es waren sehr emotionale Auseinandersetzungen", heißt es. Mehrfach seien die Gespräche unterbrochen worden.

Teil 2: Banken fordern den Staat zu höherer Rettungsleistung auf

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