Bundeskanzler Gerhard Schröder
Kein anderes Unternehmen ist so gut verzahntKein anderes deutsches Unternehmen ist politisch so gut verzahnt wie Volkswagen. Kein anderes Unternehmen wird durch ein eigenes Gesetz vor feindlichen Übernahmen geschützt. Keinem anderen Unternehmen ist die Regierung des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten, VW-Aufsichtsratsmitglieds und "Autokanzlers" Gerhard Schröder so nah. Früher ließ sich Schröder von Volkswagen zum Wiener Opernball einladen und fuhr am Wochenende VW-Testwagen; Volkswagen-Personalchef Peter Hartz steht mit seinem Namen für die Schröderschen Sozialreformen. "Wer diese Kultur zu zerschlagen sucht, muss mit dem Widerstand der Bundesregierung rechnen," droht der Kanzler jedem Kritiker seines politischen so aktiven Lieblingskonzerns.
Sollte sich herausstellen, dass sich Volkswagen über Abgeordnete Einfluss erkauft hat, wäre der Schaden immens. Die engen Verbindungen nach Hannover und Berlin gerieten vollends in Verruf.
Angreifbar machen sich die politisch aktiven Autobauer bereits durch den Umgang mit ihren "politischen Richtlinien", die Rechte und Pflichten von Mandatsträgern im Konzern regeln. Anders als andere Unternehmen hält Volkswagen seine Grundsätze über Gehaltszahlungen an Abgeordnete streng unter Verschluss. Nicht einmal das quengelnde Aufsichtsratsmitglied Wulff darf sie einsehen. Ein Konzernsprecher sagt steif, die aus dem Jahr 1990 stammenden Regeln seien "veraltet", würden "überarbeitet" und müssten den sich ändernden gesellschaftlichen Normen "angepasst" werden. Angeblich brechen die VW-Richtlinien das niedersächsische Abgeordnetengesetz: Egal ob Abgeordnete weiter für VW arbeiten oder nicht, sie sollen weiter bezahlt werden.