Es wird von Staatsseite mit Hochdruck daran gearbeitet, HRE zu stabilisieren
Dann presst Steinbrück seine Wut heraus: "Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ziemlich entsetzt bin mit vielen anderen, dass das Management dieser Bankengruppe in den letzten Tagen ein weiteres Liquiditätsloch ungeahnter Milliardenhöhe offengelegt hat." Zwar müsse das Institut stabilisiert werden, weil sonst der Schaden in Deutschland und Europa "untaxierbar groß" werden könnte. Die Risiken dürften aber nicht einseitig auf die Steuerzahler verlagert werden. Auch Steinbrück braucht nur eine Minute. Dann verschwinden Kanzlerin und Minister im Koalitionsausschuss.
"Es brennt das ganze System"
Es ist ein eigenartiger Auftritt nach einem dramatischen Wochenende: Das erste Rettungspaket der
HRE ist geplatzt. Schon wieder wird unter Hochdruck an einem Notfallplan des
Dax -Konzerns gefeilt. Summen, die jedem den Atem rauben, jagen durchs Land: 50, 70, 100 Mrd. Euro. Zeitweise wirkt es, als habe keiner mehr den Überblick. "Es brennt das ganze System", sagt ein Beteiligter.
Auch in Berlin liegen die Nerven blank. Noch kurz vor dem Auftritt Merkels und Steinbrücks war offenbar unklar, ob die beiden gemeinsam vor die Kameras treten würden. Die Kanzlerin mit ihrem feinen taktischen Gespür geht innerlich bereits auf Distanz zu ihrem Finanzminister. Auch sie weiß, dass die ersten Politiker von Union und FDP bald Steinbrücks Rücktritt fordern werden. Merkel ist unzufrieden mit dem Krisenmanagement ihres Ministers. Er habe sich von den Banken falsche Zahlen verkaufen lassen, er habe zu früh Entwarnung gegeben, seine Kommunikation sei schlecht gewesen. Groß war das Befremden über Steinbrück, der wiederholt von einer "geordneten Abwicklung" der Bank gesprochen hatte. Der Sprecher der HRE gibt jetzt dem Minister sogar eine Mitschuld an den neuen Problemen: Die Liquiditätslage der Bank habe sich durch die Diskussion um die "Abwicklung" weiter verschlechtert.