Früher war alles hochprozentiger. In der Kultserie Dallas goss sich JR an der Hausbar erstmal einen Drink ein, wenn er, geschafft nach einem harten Tag als Ölbösewicht, auf die Southfork Ranch heimkam. Seine Frau, Sue Ellen, hatte zwar ein Alkoholproblem - aber das störte in den späten 70ern und den 80ern nicht weiter. Trinken gehörte einfach dazu - auch der Genuss von Härterem wie Schnaps.
Im Gegensatz zu damals macht Alkohol heute häufiger Negativschlagzeilen. Jüngstes Beispiel ist eine Untersuchung, die die Gmünder Ersatzkasse (GEK) in dieser Woche vorstellte. Der Report "Krankenhaus 2009" deckte auf, dass exzessiv trinkende Jugendliche aus Schaden nur begrenzt klüger werden.
Ergebnis: von den 1168 befragten Jugendlichen, die mindestens einmal wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus waren, gaben 17 Prozent an, danach genauso viel wie vorher oder sogar noch mehr zu trinken. Die restlichen 83 Prozent sagten zwar, dass sie ihren Alkoholkonsum reduzierten. Im Vergleich zu "normal" trinkenden Jugendlichen konsumieren sie aber mehr und häufiger.
Die ältere Generation sollte diesen jungen Menschen allerdings jetzt nicht ihre Tugendhaftigkeit vorhalten. Denn tendenziell trinken die Deutschen heute deutlich weniger als noch vor 30 oder 40 Jahren, belegen Statistiken der Alkoholindustrie.
Im Jahr 1980 kam der Durchschnitts-Deutsche auf einen Spirituosenkonsum von 8,0 Litern im Jahr. 27 Jahre später waren es nur noch 5,6 Liter, geht aus der Statistik des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure hervor. Und das Jahr 1980 war bei weitem kein Ausreißer. In dem gesamten Jahrzehnt pichelten die Deutschen im Schnitt 6,5 Liter Hochprozentiges im Jahr - mal etwas mehr, mal etwas weniger.
Ähnlich die Entwicklung beim Bier. Brauereien in Deutschland beklagen seit langem den rückläufigen Konsum. Die Statistik gibt ihnen Recht: 1976 trank jeder Einwohner der alten Bundesrepublik statistisch 151 Liter im Jahr, in den 80er-Jahren hielt sich der Konsum recht stabil bei gut 145 Litern. Wenige Jahre nach der Wende kam dann offenbar die Ernüchterung. Seit den 90ern wird immer weniger Bier in Deutschland getrunken, 2007 waren es 111,7 Liter pro Einwohner.
Diese Zahlen machen allerdings das Problem der komasaufenden Jugendlichen nicht kleiner. Im Gegenteil: "Der Konsum von Alkoholika geht schon seit Jahren zurück", bestätigt auch der Sozialwissenschaftler Hans Dörning. Er ist Geschäftsführer des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover, das den jetzt veröffentlichten Report "Krankenhaus 2009" für die Gmünder Ersatzkasse erstellte.