Mit Kriegsrhetorik soll das Staatsoberhaupt "Bild"-Chefredakteur Diekmann gedroht haben. Auf die Vorwürfe reagiert der Bundespräsident mit einer Pressemitteilung - ohne auf die Anschuldigung einzugehen.
von Lutz MeierBerlin
und Matthias BrüggeHamburg
Bundespräsident Christian Wulff hat einen Kommentar zu Anschuldigungen abgelehnt, dem Springer-Konzern und "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann in Kriegsrhetorik gedroht zu haben. In einer Pressemitteilung nannte das Staatsoberhaupt die Pressefreiheit allgemein ein hohes Gut. "Er hat deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten Transparenz hergestellt, Erklärungen abgegeben und mehrere Hundert Medienanfragen beantwortet. Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident aber grundsätzlich keine Auskunft", sagte ein Sprecher des Bundespräsidialamtes am Montag in Berlin.
Villa Geerkens
Wo Wulff Urlaub machte
Wulff wird in der Kreditaffäre Salamitaktik vorgeworfen, also immer nur das zuzugeben, was öffentlich bekannt ist oder bekannt zu werden droht. Er hatte in einer Stellungnahme vor Weihnachten sein Schweigen gebrochen und Fehler eingeräumt.
Der Bundespräsident steht im Verdacht, als Ministerpräsident von Niedersachsen mit der Wirtschaft gekungelt zu haben. Im Mittelpunkt der Affäre steht ein Privatkredit eines Unternehmerehepaares an Wulff, den er später durch ein günstiges Bankdarlehen ablöste. Wulff konnte bislang nicht nachgewiesen werden, sich Vorteile verschafft und dafür eine Gegenleistung erbracht zu haben.
Nach Berichten der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" versuchte der Bundespräsident persönlich bei der "Bild"-Zeitung, die erste Veröffentlichung von Recherchen zur Finanzierung seines Privathauses zu verhindern.
Laut "Süddeutsche" drohte Wulff am 12. Dezember "Bild"-Chefredakteur Diekmann den "endgültigen Bruch" mit dem Springer-Verlag an - für den Fall, dass diese "unglaubliche" Geschichte tatsächlich erscheine. Damit werde "der Rubikon überschritten". Der Anruf erfolgte einen Tag bevor "Bild" den ersten Bericht zum umstrittenen 500.000-Euro-Kredit durch das befreundete Unternehmer-Ehepaar Geerkens veröffentlichte.
Nach "SZ"-Informationen rief der Bundespräsident Diekmann während seiner Reise durch die Golfstaaten aus Kuwait an, erreichte den Chefredakteur aber nicht, weil dieser in New York war. Er habe um ein Gespräch mit Diekmann gebeten. Dabei sei auch die Formulierung "Krieg führen" gefallen. Laut "SZ" soll Wulff auch mit einem Strafantrag gegen die Journalisten gedroht haben. Seinen Spruch habe er auf der Mailbox Diekmanns hinterlassen.
"Bild" hatte sich von der Veröffentlichung nicht abbringen lassen und ging am 13. Dezember mit dem Bericht zu Wulffs Privatkredit an die Öffentlichkeit. Später habe der Präsident laut "SZ" noch einmal Kontakt mit Diekmann aufgenommen, seinen vorherigen Anruf bedauert und die Sache damit für beendet erklärt.
Offiziell äußerte sich der Springer-Verlag nicht zu dem Vorgang. Über die versuchte Einflussnahme des Bundespräsidenten berichtete das Blatt nicht.
Laut der "Süddeutschen" wusste Wulff, dass Medien seit Monaten Hinweisen auf die Finanzierung des Einfamilienhauses in Burgwedel bei Hannover nachgingen. Immerhin habe es einen Rechtsstreit durch alle Instanzen zur Einsicht für Journalisten ins entsprechende Blatt des Grundbuchamts gegeben.
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