Wulff soll sich auch an Friede Springer gewandt haben. Die Witwe des Verlagsgründers habe dem Bundespräsidenten in einer "kühlen Auskunft" erklärt, keinen Einfluss auf ihre Chefredakteure zu nehmen pflege, berichtete das Politikmagazin "Cicero" in seiner Online-Ausgabe.
In seiner Zeit als niedersächsischer CDU-Ministerpräsident hatten die "Bild"-Zeitung und andere Springer-Medien weitgehend positiv über Wulff berichtet. Die "Bild"-Veröffentlichung über den Privatkredit der mit Wulff befreundeten Unternehmerfamilie Geerkens soll ihn geschockt haben. Laut "Süddeutsche Zeitung" kühlte das Verhältnis schon im Präsidentenwahlkampf ab, als die Springer-Presse Sympathien für den rot-grünen Kandidaten Joachim Gauck zeigte. Die "Bild"-Zeitung hatte bis dato stets sehr positiv über das Ehepaar Wulff berichtet und der Frau des Politikers regelrecht gehuldigt.
Der Bundespräsident lehnte einen Kommentar zu Anschuldigungen ab, dem Springer-Konzern und "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann in Kriegsrhetorik gedroht zu haben. In einer Pressemitteilung nannte das Staatsoberhaupt die Pressefreiheit allgemein ein hohes Gut. "Er hat deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten Transparenz hergestellt, Erklärungen abgegeben und mehrere Hundert Medienanfragen beantwortet. Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident aber grundsätzlich keine Auskunft", sagte ein Sprecher des Bundespräsidialamtes.
Wulff wird in der Kreditaffäre Salamitaktik vorgeworfen, also immer nur das zuzugeben, was öffentlich bekannt ist oder bekannt zu werden droht. Er hatte in einer Stellungnahme vor Weihnachten sein Schweigen gebrochen und Fehler eingeräumt.
Der Bundespräsident steht im Verdacht, als Ministerpräsident von Niedersachsen mit der Wirtschaft gekungelt zu haben. Im Mittelpunkt der Affäre steht der Privatkredit des Unternehmerehepaares Geerkens an Wulff, den er später durch ein günstiges Bankdarlehen ablöste. Wulff konnte bislang nicht nachgewiesen werden, sich Vorteile verschafft und dafür eine Gegenleistung erbracht zu haben.