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Merken   Drucken   02.01.2012, 19:04 Schriftgröße: AAA

Angebliche Drohungen: Wulff zog Erklärung zu Kredit-Vorwürfen zurück

"Bild"-Chefredakteur Diekmann bestätigt den Drohanruf des Bundespräsidenten. Das Staatsoberhaupt versuchte auch, den Vorstandsvorsitzenden des Springer-Verlags für seine Zwecke einzuspannen. Offenbar intervenierte er sogar bei Friede Springer.
© Bild: 2012 dapd/Axel Schmidt
"Bild"-Chefredakteur Diekmann bestätigt den Drohanruf des Bundespräsidenten. Das Staatsoberhaupt versuchte auch, den Vorstandsvorsitzenden des Springer-Verlags für seine Zwecke einzuspannen. Offenbar intervenierte er sogar bei Friede Springer.
Bundespräsident Christian Wulff hat eine Stellungnahme für die "Bild"-Zeitung zu Vorwürfen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Privatkredit nach Angaben des Blatts kurz vor Redaktionsschluss zurückzogen. Anschließend habe das Staatsoberhaupt versucht, Chefredakteur Kai Diekmann zu erreichen, gab die "Bild"-Zeitung auf ihrer Internetseite bekannt. "Als das nicht gelang, hinterließ der Bundespräsident eine längere Nachricht auf der Handy-Mailbox des Chefredakteurs.​ Der Bundespräsident zeigte sich darin empört über die Recherchen zu dem Hauskredit und drohte u.a. mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen "Bild"-Redakteur". ​Nach Angaben der Zeitung war das am 12. Dezember. Einen Tag später berichtete "Bild" erstmals kritisch über das Darlehen.
Villa Geerkens Wo Wulff Urlaub machte
Zwei Tage nach der Veröffentlichung habe Wulff erneut den Kontakt zu Dieckmann gesucht und am Telefon um Entschuldigung für Ton und Inhalt seiner Äußerungen gebeten, hieß es. ​"Deshalb hat die "Bild"-Zeitung nach breiter redaktioneller Debatte davon abgesehen, eigens über den Vorfall zu berichten.​" Allerdings habe dies nicht die kritische Berichterstattung beeinflusst oder gar verhindert.
Laut "Süddeutsche Zeitung" drohte Wulff in dem Gespräch am 12. Dezember "Bild"-Chefredakteur Diekmann den "endgültigen Bruch" mit dem Springer-Verlag an - für den Fall, dass diese "unglaubliche" Geschichte tatsächlich erscheine. Damit werde "der Rubikon überschritten".
Wulff hat nicht nur bei Diekmann wegen der Berichterstattung über den umstrittenen Hauskredit interveniert, sondern auch bei Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Der Verlag bestätigte am Montagnachmittag entsprechende Informationen der Online-Portale von "Spiegel" und "Stern". Demnach bat das Staatsoberhaupt Döpfer vor dem Erscheinen des ersten kritischen Berichts in "Bild", bei Diekmann Einfluss zu nehmen. Der Konzernchef habe ihm in knapper Form beschieden, sich nicht in die Belange der Redaktion einmischen zu wollen.
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Wulff soll sich auch an Friede Springer gewandt haben. Die Witwe des Verlagsgründers habe dem Bundespräsidenten in einer "kühlen Auskunft" erklärt, keinen Einfluss auf ihre Chefredakteure zu nehmen pflege, berichtete das Politikmagazin "Cicero" in seiner Online-Ausgabe.
In seiner Zeit als niedersächsischer CDU-Ministerpräsident hatten die "Bild"-Zeitung und andere Springer-Medien weitgehend positiv über Wulff berichtet. Die "Bild"-Veröffentlichung über den Privatkredit der mit Wulff befreundeten Unternehmerfamilie Geerkens soll ihn geschockt haben. Laut "Süddeutsche Zeitung" kühlte das Verhältnis schon im Präsidentenwahlkampf ab, als die Springer-Presse Sympathien für den rot-grünen Kandidaten Joachim Gauck zeigte. Die "Bild"-Zeitung hatte bis dato stets sehr positiv über das Ehepaar Wulff berichtet und der Frau des Politikers regelrecht gehuldigt.
Der Bundespräsident lehnte einen Kommentar zu Anschuldigungen ab, dem Springer-Konzern und "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann in Kriegsrhetorik gedroht zu haben. In einer Pressemitteilung nannte das Staatsoberhaupt die Pressefreiheit allgemein ein hohes Gut. "Er hat deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten Transparenz hergestellt, Erklärungen abgegeben und mehrere Hundert Medienanfragen beantwortet. Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident aber grundsätzlich keine Auskunft", sagte ein Sprecher des Bundespräsidialamtes.
Wulff wird in der Kreditaffäre Salamitaktik vorgeworfen, also immer nur das zuzugeben, was öffentlich bekannt ist oder bekannt zu werden droht. Er hatte in einer Stellungnahme vor Weihnachten sein Schweigen gebrochen und Fehler eingeräumt.
Der Bundespräsident steht im Verdacht, als Ministerpräsident von Niedersachsen mit der Wirtschaft gekungelt zu haben. Im Mittelpunkt der Affäre steht der Privatkredit des Unternehmerehepaares Geerkens an Wulff, den er später durch ein günstiges Bankdarlehen ablöste. Wulff konnte bislang nicht nachgewiesen werden, sich Vorteile verschafft und dafür eine Gegenleistung erbracht zu haben.

Teil 2: Wulff soll von "krieg führen" gesprochen haben

  • FTD.de, 02.01.2012
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