Brandanschläge in Frankfurt? Rache am kapitalistischen System? Richtig, da werden Erinnerungen an die Rote-Armee-Fraktion wach, und tatsächlich scheinen die Attentäter ganz gern mit dem Sujet zu spielen. Wie die RAF hat auch die Bewegung Morgenlicht einen ausgeprägten Hang zu apologetischen Bekennerschreiben (nach den ersten beiden Anschlägen gingen nicht weniger als vier Stück bei diversen Frankfurter Medien ein). Und wie bei der RAF wird im Schriftverkehr eine deutliche Abneigung gegenüber Großbuchstaben zelebriert.
Im Internet kursiert ein wirres "Manifest", in dem es heißt: "die bewegung morgenlicht ist eine militante gruppe mit dem ziel einer grundlegenden reform der wirtschaft. wir sind in zellen organisiert." Als Gegner werden "unternehmen, konzerne, banken, vorstände und management" aufgezählt. Weiter heißt es: "wir fügen diesen gegnern regelmäßig sachschäden zu." Und dann, beinahe im Stile einer Baumarktbeilage: "in der regel arbeiten wir mit brandsätzen, da diese billig und einfach für jedermann herzustellen sind. hierbei achten wir auf die verwendung von zeitzündern, damit der täter sich in aller ruhe in sicherheit bringen kann."
Was letztlich der Auslöser für die Attentate war, bleibt schleierhaft. In einem der ersten Bekennerbriefe war noch von drei entlassenen Deutsche-Bank-Mitarbeitern die Rede, mit denen die Bewegung Solidarität übe. Im Drohschreiben gegen die Sparkasse 1822 geht es nun um die "Lehman-Opfer", für die Entschädigung verlangt wird. Frankfurts Banker sind besorgt: "Bisher gab es nur ,Scheiß Kapitalismus‘-Schriftzüge an den Fassaden. Das hier hat eine neue Qualität", sagt einer.
Immerhin, an einer Stelle formuliert die militante Gruppe beschwichtigend: "wir sind eher eine schmusetruppe und keine raf."