Um die Ursachen der Arbeitslosigkeit schon frühzeitig zu bekämpfen, sei es nötig, die "systematische Prävention zu stärken, am besten von frühkindlichen Zeiten an", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Mittwoch in Nürnberg. "Mein Ziel ist, dafür in den nächsten Jahren 2 bis 3 Mrd. Euro in diesem Bereich einzusetzen."
Weise will die bereits bestehenden Projekte zur "vertieften Berufsorientierung" kräftig ausweiten, an denen die Bundesagentur schon beteiligt ist. Dabei werden vor allem Hauptschüler in den Schulen in die Berufsausbildung begleitet. Dies soll nach Vorstellungen des BA-Chefs künftig nicht nur in der letzten Hauptschulklasse geschehen, sondern bereits in der siebten oder achten Klasse. Vorstellbar sei auch die Schulung von Erzieherinnen, die mit Migrantenkindern arbeiten, sagte er.
Eine solche Neuorientierung der Behörde dürfte auf kräftigen Widerstand bei den Bundesländern stoßen. Zwar sind die Problemgruppen, die rasch und lange in die Arbeitslosigkeit fallen, bekannt - Schulabgänger ohne Schul- und Berufsabschluss. Aber Bildung und Schulen sind Ländersache, und die BA ist eine Bundesbehörde.
Auch der geplante Einsatz von Milliarden Beitragsmitteln für Nichtarbeitslose dürfte schwierig werden. Schon jetzt monieren vor allem Arbeitgeberverbände gern die versicherungsfremden Leistungen, die über die BA finanziert werden.
Bei der Ausweitung der BA-Arbeit in den Schulen und Kindergärten hat Weise vor allem die Erfolge der rund 900 existierenden Projekte im Blick, zu denen die Bundesagentur derzeit jährlich 80 Mio. Euro beisteuert. Dazu gehören kleine Modellprojekte wie das Hamburger Hauptschulmodell, bei dem Schüler in die Berufsausbildung begleitet werden. Hier konnte in Zusammenarbeit mit Unternehmen - darunter Lufthansa, Otto, Ikea und Deutsche Bank - erreicht werden, dass mehr Schüler, die einen Hauptschulabschluss in Aussicht haben, auch einen Ausbildungsplatz erhielten. Die Quote derjenigen, die damit einen Beruf erlernten, konnte so von 6,4 Prozent der Schulabgänger auf 18 Prozent erhöht werden, sagte Michael Goedeke von der Arbeitsstiftung Hamburg.
Ein weiteres Beispiel, mitfinanziert von der BA, ist das Projekt "Fußball ist das Tor zum Lernen" in Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund. Dabei lag der Fokus darauf, Migrantenkindern ohne jede Chance neue Perspektiven zu eröffnen.