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Merken   Drucken   27.07.2011, 21:48 Schriftgröße: AAA

Arbeitslose Behinderte: Die vergessenen Fachkräfte

Exklusiv Die deutsche Wirtschaft boomt und ringt um Fachkräfte. Wen sie offenbar nicht sucht, das sind Schwerbehinderte - an ihnen geht der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt vorbei. von Maximilian Nowroth, Berlin
14,6 Prozent Arbeitslosigkeit in Deutschland. Würde die Agentur für Arbeit diese Zahl heute in der neuen Statistik offiziell bekannt geben, die Rede vom deutschen Jobwunder wäre wohl schnell verstummt. Doch für Menschen mit schwerer Behinderung ist das die Realität auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Während die Wirtschaft weiter wächst und die Zahl der Arbeitslosen insgesamt sinkt, geht der Aufschwung an einem Teil der Bevölkerung vorbei: Die Zahl der Arbeitslosen mit schwerer Behinderung ist in den letzten drei Jahren um zehn Prozent angestiegen. "Es darf uns nicht zufriedenstellen, dass die Tendenzen so gegenläufig sind", sagt Hubert Hüppe (CDU), der Behinderten-Beauftragte der Bundesregierung. Er fordert, dass die Unternehmen gezielter gefördert werden, um mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Schwerbehinderung zu schaffen.
Rollstuhlfahrer bei der Arbeit: Viele deutsche Firmen zahlen lieber ...   Rollstuhlfahrer bei der Arbeit: Viele deutsche Firmen zahlen lieber eine Ausgleichsabgabe
Bisher verlässt sich die Bundesregierung vor allem auf eine gesetzliche Pflicht für Arbeitgeber, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Hat ein Unternehmen mehr als 20 Beschäftigte, muss es fünf Prozent der Stellen an Menschen mit Schwerbehinderung vergeben. Wird die Quote nicht erfüllt, fordert der Staat eine sogenannte Ausgleichsabgabe. Ein unbesetzter Pflichtplatz kann ein Unternehmen bis zu 3000 Euro im Jahr kosten.
Genau diese Möglichkeit nutzt ein Großteil der deutschen Firmen. Rund 65 Prozent der privaten Arbeitgeber zahlen lieber einen jährlichen Betrag, als die vorgeschriebene Anzahl von Arbeitsplätzen für Behinderte zu erfüllen. Dieser Zustand hat sich seit dem Jahr 2003 nicht verändert.
Der Behinderten-Beauftragte Hüppe findet diese Zahl "erschreckend hoch". Martin Georgi, Vorstand von Aktion Mensch, drückt sich noch drastischer aus: Er kritisiert die Haltung von vielen deutschen Unternehmen, "sich in gewisser Weise freizukaufen". Er vergleicht die Entscheidung für eine Ausgleichsabgabe mit einem Falschparker, der sein Auto bewusst ins Parkverbot stellt und die Strafe in Kauf nimmt.
Die beiden Behinderten-Vertreter weisen zudem darauf hin, dass viele Unternehmen die geforderte Ausgleichsabgabe senken, indem sie Aufträge an Behindertenwerkstätten vergeben. Die so entstandenen Lohnkosten können auf die Ausgleichsabgabe angerechnet werden.

Teil 2: Wie die Inklusion funktioniert

  • Aus der FTD vom 28.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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