Sie gehören zu den Gewinnern von Atomausstieg und Energiewende: Heizungsbauer, Installateure und Dachdecker frohlocken. Ihnen winkt eine Auftragsflut von Hausbesitzern, die ihre Eigenheime effizienter heizen und besser dämmen wollen. Jährlich 1,5 Mrd. Euro will die Bundesregierung künftig in die klimafreundliche Sanierung von Gebäuden stecken. Außerdem soll es weitere Anreize durch bessere Abschreibemöglichkeiten geben. Zwar wünscht sich das Handwerk noch stärkere Subventionen des Staates; doch schon jetzt bewertet der Zentralverband des Deutschen Handwerks die Pläne zur Gebäudesanierung als einen "Riesenschub".
Tausende von Trassenkilometern für neue Stromleitungen, Windräder allerorten, neue Kraftwerke und nicht zuletzt der Rückbau stillgelegter Meiler - wegen der Umgestaltung der Energielandschaft machen Atomausstieg und Energiewende aus Deutschland eine gigantische Baustelle. Profitieren werden davon vor allem die großen Baukonzerne und spezialisierte Ingenieurbüros, die die Großprojekte der Energiewende stemmen können.
Schon jetzt gibt es Engpässe beim Aufbau von Windparks im Meer. Anlagenbauer fahren Sonderschichten. Und es dürfte noch besser - und lukrativer - werden: Denn Windräder in Nord- und Ostsee sollen die künftigen Stützpfeiler der erneuerbaren energien ausmachen. Für Offshore-Projekte will die Staatsbank KfW ein 5 Mrd. Euro schweres Kreditprogramm auflegen. Bestehende Windparks sollen aufgerüstet werden - das sogenannte Repowering.
Die Energiewende führt zu höheren Strompreise - doch die gestiegenen Kosten werden nicht gleich verteilt. "Wir werden die Begünstigung für stromintensive Unternehmen deutlich ausweiten", preist Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) ganz offen seine Wohltaten für die Industrie: "Je mehr Strom verbraucht wird, desto höher ist die Förderung." Künftig soll es schon bei einer Gigawattstunde Stromverbrauch Erleichterungen geben. Auch will die Bundesregierung die "Härtefallklausel" im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) großzügiger ausgestalten. Richtig glücklich ist die Industrie trotzdem nicht: Selbst mit Ausnahmen werden ihre Energierechnungen steigen.
Gazprom reibt sich die Hände. Der russische Monopolist jubiliert bereits öffentlich, angesichts des deutschen Atomausstiegs noch mehr Gas hierzulande verkaufen zu können - am besten zu höheren Preisen. Denn Gaskraftwerke werden künftig wichtiger, sind sie doch nicht so unberechenbar wie erneuerbare Energien, aber trotzdem effizienter und sauberer als Stein- oder Braunkohle. Aus Russland bezieht Deutschland mit 32 Prozent den Großteil seines Gasbedarfs - aus heimischer Förderung kommen nur elf Prozent.
Auch die kommunalen Energieversorger, die bislang durch die übermächtige Konkurrenz der vier großen Energiekonzerne litten, erhoffen sich vom Atomausstieg eine größere Rolle auf dem Strommarkt. Noch im letzten Herbst hatten die Stadtwerke zahlreiche Projekte wegen der Laufzeitverlängerung im Herbst auf Eis gelegt. Jetzt spekuliert der Verband kommunaler Unternehmen auf eine neue Investitionswelle. Doch die großen Energiekonzerne werden sich ihre Marktanteile nicht kampflos abjagen lassen.