Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) forderte Kompensationen für jene Bundesländer, in denen im Zuge der Energiewende neue Trassen zur Durchleitung von Windstrom aus dem Norden in den Süden gebaut werden. "Mit dem Ausbau der Netze stellt sich die Frage der Kostenverteilung. Wir denken an eine Konzessionsabgabe oder einen anderen dauerhaften Ausgleich", sagte Lieberknecht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Der Norden hat den Profit an den Windkraftanlagen. Im Süden wird der Strom verbraucht, und wir dazwischen gucken auf die Trasse. Wir müssen über eine Kompensation sprechen."
Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) bekräftigte den Willen, so schnell wie möglich aus der Kernkraft auszusteigen. "Aber wir dürfen dabei unsere Ziele nicht aufgeben: Klimawandel, Versorgungssicherheit, bezahlbare Preise und Haushaltskonsolidierung. All das muss in dem Energiekonzept zusammengebracht werden", sagte er dem "Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung".
Röttgen rechnet mit steigenden Strompreisen
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte, der Ausbau erneuerbarer Energien könne sich auf die Strompreise auswirken. Er rechne aber mit einem moderaten Anstieg, sagte er in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". "Wissen tut das übrigens sowieso keiner", sagte er mit Blick auf künftige Marktentwicklungen, die derzeit nicht absehbar seien.
Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) warnte die großen Versorger vor einer Verzögerung der Energiewende. "Ich empfehle den Energiekonzernen, nicht auf einen sturen Konfrontationskurs zu schalten", sagte er der FTD. Er forderte die Konzerne auf, massiv in die Modernisierung fossiler Kraftwerke zu investieren. Voigtsberger trat Sorgen der Grünen entgegen, dass eine kurzfristig größere Rolle der Kohle zu einem Anstieg des Kohlendioxidausstoßes führt. Er halte es nicht für ausgemacht, dass Klimaziele korrigiert werden müssten, falls sichergestellt werde, dass umgerüstete oder neue fossile Kraftwerke höchste Effizienzstandards erreichten: "Hier ist die Bundesregierung gefordert, mit einem neuen Energiekonzept Antworten zu liefern."
In der Diskussion ist eine Rücknahme der im Herbst beschlossenen Laufzeitverlängerung und ein Atomausstieg etwa bis zum Jahr 2020. Bis Mitte Juni will die Regierung beschließen, wie viele Atomkraftwerke dauerhaft vom Netz müssen. Im Rahmen des dreimonatigen Moratoriums als Folge der Katastrophe im japanischen Fukushima wurden acht AKW vorübergehend stillgelegt.