Nach dem Wahlsieg von Union und FDP deutet sich ein Richtungsentscheid über die zukünftige Nutzung der Atomkraft an. Die CDU-Politikerin Katherina Reiche sprach sich nach dem Wahlsieg von Schwarz-Gelb für eine Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke aus. "Wir brauchen die Kernenergie als Brückentechnologie, um Preise stabil zu halten und um unsere Klimaschutzziele erfüllen zu können", sagte das CDU-Vorstandsmitglied am Montag im ARD-"Morgenmagazin". "Wir wollen auf eine Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke hinarbeiten."
Der Sieg von Union und FDP hat RWE und Eon am Montag vorbörslich beflügelt. Im Geschäft des Brokerhauses Lang & Schwarz lagen die Aktien der beiden Versorger 3,3 beziehungsweise 5,5 Prozent über ihren Schlusskursen vom Freitag. "Mit einer schwarz-gelben Regierung steigen die Chancen für eine Ausweitung der Laufzeiten für Atomkraftwerke erheblich", sagte ein Börsianer. Da diese bereits komplett abgeschrieben seien, könne mit zusätzlichen Gewinnen für die Versorger gerechnet werden. Die Frage sei noch, wie viel dieser Zusatzeinnahmen der Staat abschöpfen werde und auf welche Weise.
Die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast kündigte Widerstand gegen die Verlängerung der Laufzeit an. "Wir nehmen den Wählerauftrag in der Opposition an. Das heißt als allererstes eine falsche schwarz-gelbe Energiepolitik, insbesondere eine Entscheidung für die Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken, zu verhindern", sagte Künast der "Leipziger Volkszeitung".