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Merken   Drucken   01.12.2010, 12:00 Schriftgröße: AAA

Atommüll: Ohne Endlager geht es nicht

Im Umgang mit hochradioaktiven Abfällen hilft es nicht weiter, auf Innovationen in der Zukunft zu setzen. Das wäre verantwortungslos.
© Bild: 2010 dapd/Nigel Treblin
Kommentar Im Umgang mit hochradioaktiven Abfällen hilft es nicht weiter, auf Innovationen in der Zukunft zu setzen. Das wäre verantwortungslos. von Wolfram König
Wolfram König ist Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz, der zuständigen Behörde für die Endlagersuche in Deutschland. Er antwortet auf einen Beitrag des Unternehmensberaters Martin Ginsberg in der FTD.
Die Debatte um die Verantwortbarkeit der Kernenergie geht regelmäßig einher mit Diskussionen über die Entsorgung der bei der Nutzung entstehenden radioaktiven Abfälle. Zuletzt plädierte Martin Ginsberg in der FTD vom 24. November dafür, die Endlagerung radioaktiver Abfälle zugunsten einer ständigen oberirdischen Lagerung aufzugeben. Denn eine sichere Endlagerung könne, so Ginsberg, nicht für eine Million Jahre, ja nicht einmal für 100 Jahre prognostiziert werden. Das Problem lösen sollen künftige Innovationen in den nächsten 100 Jahren. Die Antwort klingt plausibel und verlockend angesichts der Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte. Jedoch: Die Antwort auf die Frage, was passiert, wenn diese Innovationen ausbleiben, bleibt der Autor schuldig.
Gefährliches Aufschieben
Die Verschiebung von Problemlösungen in die Zukunft ist mit der staatlichen Pflicht zur sicheren Entsorgung radioaktiver Abfälle schwerlich vereinbar. Sie steht darüber hinaus in Widerspruch zu der in Artikel 20a des Grundgesetzes verankerten Verantwortung gegenüber künftigen Generationen.
Wir übernehmen Verantwortung, indem wir uns einem Problem stellen. Wir entziehen uns der Verantwortung, wenn wir die Lösung eines von uns verursachten Problems künftigen Generation überantworten. Aus den Augen, aus dem Sinn - das kann und darf nicht das Prinzip im Bereich einer Hochrisikotechnologie sein.
Es trifft zu, dass bislang weltweit kein Land ein betriebsbereites, sicheres Endlager für hochradioaktive Abfälle aus Leistungsreaktoren besitzt. Das ist aber mitnichten ein Argument dafür, auf Lösungen in den nächsten 100 Jahren zu setzen. Wollte man das anders sehen, redete man denjenigen das Wort, die - insgeheim oder auch ganz offen - auf eine "internationale Lösung" setzen.
Es gab leider bisher keine Angebote von Ländern, die im Interesse einer Sicherheitserhöhung die Mitentsorgung übernehmen wollten. Leitgedanken derartiger multinationaler Lösungen sind vielmehr ökonomisch motiviert. Sie bilden somit das Tor für eine Billigentsorgung, etwa in Russland. Das aber wäre verantwortungslos.
Sicherheit durch Tiefe
Die tiefengeologische Lagerung radioaktiver Abfälle wird in Deutschland und international als bester Entsorgungsweg insbesondere für hochradioaktive Abfälle angesehen. Mehrere Hundert Meter Erdschichten sollen die strahlenden Abfälle so gut wie möglich vor der Biosphäre abschirmen und zudem vor Eiszeiten oder Erdbeben schützen. Die tiefe und verschlossene Lagerung verhindert äußere, auch unbeabsichtigte Eingriffe und eine missbräuchliche Wiederverwendung der Stoffe.
Eine Rückholung der Abfälle ist zwar technisch durchaus realisierbar. Das gilt für eine Endlagerung in Salz, Tongestein oder Granit. Anzustreben ist eine Rückholbarkeit indes nicht, ist sie doch verbunden mit Abstrichen bei der Sicherheit und der Gefahr einer missbräuchlichen Nutzung der eingelagerten Abfälle.

Teil 2: Was dringend benötigt wird

  • FTD.de, 01.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 07.12.2010 12:47:45 Uhr   Prof Dr. Hellmut Wagner: Endlager

    Nach Angaben der Mehrheit der Sachverständigen ist die Endlagerung wissenschaftlich-technisch praktisch gelöst.Sie ist nun politisch zu lösen, damit nach so vielen vertanen Jahren endlich die Forderung des Atomgesetzes erfüllt wird, daß der Bund für ein betriebsbereites Endlager für hochradioaktive Abfälle sorgt.

  • 02.12.2010 13:07:57 Uhr   Robert Piro: Endlagerung? Von wegen!
  • 02.12.2010 08:27:10 Uhr   Hofmann,M: Abfall ist nicht gleich Abfall
  • 01.12.2010 18:13:56 Uhr   Aladin: Entsorgungsnachweis
  • 01.12.2010 14:14:04 Uhr   Sonnenfreund: Ohne Endlager geht es nicht
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