FTD.de » Politik » Deutschland » Ein Patient namens Gesundheitsreform

Merken   Drucken   23.07.2009, 13:58 Schriftgröße: AAA

Aufgaben der nächsten Regierung: Ein Patient namens Gesundheitsreform  

Der Gesundheitsfonds hat den Geldmangel des Systems nicht behoben. Nach der Wahl drohen Einschnitte im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. FTD.de zeigt, was die Bundestagsparteien tun wollen, die Lage in den Griff zu bekommen. von Claudia Kade (Berlin)
Eine kostspielige Darmkrebstherapie für einen 85-Jährigen? Eine komplizierte Knieoperation nach einem missglückten Fallschirmsprung? Einen Yogakurs für Gesundheitsfreaks? Ob die gesetzlichen Krankenkassen dafür noch Geld ausgeben sollen, muss die nächste Regierung entscheiden.
Vor der Wahl wollen weder Union noch SPD darüber reden. Geht es aber nach Ärzten, Gesundheitsökonomen und Versicherungsexperten, sind Rationierung und Priorisierung in der Patientenversorgung das Megathema in der nächsten Legislaturperiode. Die Finanzmittel im Gesundheitsfonds nehmen nicht im selben Tempo zu wie der medizinische Fortschritt. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Beiträge wieder steigen oder der Leistungskatalog der gesetzlichen Versicherung auf das Nötigste eingeschränkt werden muss. Im Gespräch sind Listen mit Rangfolgen von Patientengruppen und Behandlungsverfahren. Auch eine staatliche geförderte Zusatzkrankenversicherung ist eine Option.
Unabhängig von der Regierungskonstellation wird es in den nächsten vier Jahren in der Gesundheitspolitik also erneut vor allem ums Geld gehen: Die Finanzlage der Krankenkassen dürfte sich angesichts der Alterung der Gesellschaft weiter verschlechtern, obwohl die Große Koalition einen kontinuierlichen Anstieg der Steuermittel für das Gesundheitssystem bis weit über die nächste Legislaturperiode hinaus beschlossen hat. Zugleich gilt es in CDU, CSU und SPD als unzumutbar, nach der Einführung des Gesundheitsfonds abermals die Kassenbeitragssätze spürbar zu erhöhen. Der Fonds selbst, ein Kompromiss der Koalition, zu dem keiner der Partner wirklich steht, stößt weiter auf erbitterte Kritik vieler Lobbygruppen in der Gesundheitswirtschaft.

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