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Merken   Drucken   16.01.2006, 13:25 Schriftgröße: AAA

Aufstand der Ärzte  

Tausende niedergelassene Ärzte in Deutschland wollen in dieser Woche ihre Praxen schließen und für ihre Rechte und die der Patienten auf die Strasse gehen. Ihr Motto: "Wir wollen heilen statt den Mangel verwalten". Doch nicht überall stößt ihr Vorgehen auf Verständnis. von Nina Luttmer
Ärzte protestierten im November 2005 in Köln gegen die ...   Ärzte protestierten im November 2005 in Köln gegen die Budgetierung der Arzneimittel- und Behandlungskosten
"Der Unmut hat sich kumuliert", sagt ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Der Verband, der die Belange von 145.000 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten in Deutschland vertritt, erwartet daher eine "rege Beteiligung" an den Demonstrationen in dieser Woche.
Bereits am Montag wurden die Protesttage in Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt eingeläutet. Im Südwesten wollen die Ärzte eine Woche lang jeweils einen Tag abwechselnd in den vier Regierungsbezirken die Praxen schließen. Im Regierungsbezirk Stuttgart blieben am Montag etwa 1200 Praxen geschlossen. In Halle und Magdeburg demonstrierten etwa 1000 Mediziner.
Als bundesweiten Demonstrationstag, den "Tag der Ärzte", haben die Spitzenverbände der deutschen Ärzteschaft den Mittwoch ausgerufen. Im Saarland beispielsweise werden sich Ärzte unter dem Banner "Von der Rentenlüge zur Gesundheitslüge" auf einen Protestzug durch Saarbrücken begeben.
"Wir meiden das Wort "Streik""
In Berlin werden Ärzte und Arzthelfer am Reichstag vorbei zum Bundesgesundheitsministerium ziehen. Die Organisatoren rechnen in der Hauptstadt mit mindestens 5000 Teilnehmern, allein aus Mecklenburg-Vorpommern werden 900 erzürnte Mediziner erwartet.
"Wir meiden aber das Wort "Streik", denn wir tragen die Aktionen nicht auf dem Rücken der Patienten aus", sagt der KBV-Sprecher. Eine Notfallversorgung sei in allen Regionen gesichert. Zudem hat beispielsweise die Kassenärztliche Vereinigung von Schleswig-Holstein eine so genannte "politische Hotline" eingerichtet, über die Bürger Antworten über die Motive des Protests erhalten können.
Vielschichtige Motivlage
Diese Motive sind vielschichtig. Die Ärzte klagen über zu viel Bürokratie, zu wenig Geld und schlechte Rahmenbedingungen für ihre Arbeit. Konkret richtet sich der Unmut der Ärzteschaft auch gegen das Arzneimittel-Sparpaket von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Danach werden Ärzte, die übermäßig viele Medikamente verschreiben, künftig finanziell bestraft.

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