Dieses Beispiel zeigt, wie riskant das jüngste Gesetzesvorhaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ist. Der will den Verwaltungen die Möglichkeit geben, den Erörterungstermin zu streichen.
Bei der A100 ist jetzt geplant, dass von den neuen 3,2 Kilometern 385 Meter im Tunnel verlaufen und 2,3 Kilometer in "Troglage", also immerhin vertieft. Der Chefplaner des Projekts, der an diesem Tag im Anhörungszimmer sitzt, weist darauf hin, dass nur vier Mietshäuser abgerissen werden müssten. Ansonsten müssten für die Strecke Schrebergärten und Gewerbegebiete mit Kfz-Werkstätten und Gebrauchtwagenhändlern weichen.
Folgt man den Planungsunterlagen, so steigt durch die Autobahn die Wohnqualität, weil der Verkehr gebündelt wird. Die Zahl der Menschen, die von Lärm und Schadstoffen entlastet werden, soll mehr als doppelt so hoch sein wie die der Verlierer.
Zu den Verlierern gehört Physiker Kalweit. Er sagt: "Es ist schon Zynismus: Wo Menschen wohnen, wird genau auf den Buchstaben des Gesetzes geschaut und werden Kosten gescheut. Aber beim Hotel Estrel ist alles anders." Am Hotel würden Lärmschutzwände gebaut, an seinem Haus dagegen nicht, weil die Grenzwerte knapp unterschritten würden. Auf der anderen Straßenseite sei die Lärmschutzwand dagegen von vier auf sechs Meter erhöht worden, sagt Kalweit. "Da bleibt nur noch umziehen."