FTD.de » Politik » Deutschland » Regierung droht Kita-Blamage

Merken   Drucken   19.05.2011, 11:00 Schriftgröße: AAA

Ausbau des Betreuungsangebots: Regierung droht Kita-Blamage

Betreuungsplätze für unter Dreijährige werden im Westen zu langsam ausgebaut. Läuft es weiter wie bisher, fehlen in zwei Jahren bis zu 40.000 Krippenplätze. Zehntausende Eltern könnten ihren Rechtsanspruch einklagen.
© Bild: 2011 dapd
Betreuungsplätze für unter Dreijährige werden im Westen zu langsam ausgebaut. Läuft es weiter wie bisher, fehlen in zwei Jahren bis zu 40.000 Krippenplätze. Zehntausende Eltern könnten ihren Rechtsanspruch einklagen. von Monika Dunkel 
Die Bundesregierung läuft Gefahr, dass es 2013 zu wenig Krippenplätze für die Kleinsten gibt und Zehntausende Eltern ihren Rechtsanspruch einklagen. Vor allem in Großstädten in Westdeutschland zeichnet sich eine Unterversorgung ab. Dies ergibt sich aus einer aktuellen Evaluierung des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts im Auftrag des Familienministeriums. Läuft der Ausbau weiter wie bisher, würden dann bis zu 40.000 Betreuungsplätze für die Ein- bis Dreijährigen in Deutschland fehlen. Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bremen werden nach Einschätzung der Forscher das Ausbauziel von 35 Prozent kaum mehr erreichen. Auch Bayern dürfte es binnen den nächsten drei Jahren schwerlich schaffen, für jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Betreuung zu realisieren.
Damit droht der Regierung ausgerechnet im Jahr der Bundestagswahl eine politische Pleite, wenn sich ihr Krippen-Versprechen als unhaltbar herausstellen sollte.
Die große Koalition hatte 2007 auf ihrem Krippengipfel Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung für ihre Kleinsten ab 2013 zugesagt. Um diesen einzulösen, sollte es bis dahin bundesweit rund 750.000 Betreuungsplätze für die unter Dreijährigen geben. Auf diese Weise würden etwa 35 Prozent der Kleinsten versorgt werden können, was nach jüngsten Abfragen des Familienministeriums auch ungefähr dem Bedarf der Eltern entspricht. Die Kosten von etwa 12 Mrd. Euro wollten Bund, Länder und Kommunen sich zu je einem Drittel teilen.
Nach Berechnungen der Spitzenverbände der Städte und Kommunen ist die Versorgungslücke sogar noch wesentlich größer. Es fehlten derzeit noch knapp 300.000 Krippenplätze, so die Rechnung des Deutschen Städtetags. Die Schlagzahl beim Ausbau müsste in den nächsten drei Jahren von derzeit rund 50.000 auf 100.000 Plätze verdoppelt werden, sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus. Außerdem fehlten den Kommunen 6 Mrd. Euro.
Familienministerin Kristina Schröder spielte das Problem am Mittwoch herunter. Das verabredete Krippenziel "sei noch erreichbar", sagte sie, wenn der Ausbau "deutlich an Dynamik zunimmt". Sie appellierte an die Länder, zu ihren finanziellen Zusagen zu stehen. Bund und Kommunen hätten ihren Teil eingehalten. Zudem hofft sie über Umschichtungen von Kindergarten- zu Kitaplätzen die Lücke zum Teil noch schließen zu können.
Als Problem entlarvt die Untersuchung, dass die Länder lieber erst das Geld des Bundes ausgeben als ihr eigenes. Das sei zwar legitim, so Schröder, aber könne zum Problem werden, wenn die Länder nicht rechtzeitig in die Finanzierung einsteigen und so die Bewilligungen verschleppt würden. Städte und Kommunen dürften nicht auf ihren Kosten sitzenbleiben.
Die meisten Länder haben in ihren Haushalten für die nächsten Jahre keine oder zu geringe Finanzmittel für den Ausbau vorgesehen. Der nordrhein-westfälische Verfassungsgerichtshof hat diese Praxis Ende letzten Jahres gerügt. Hans-Günter Henneke vom deutschen Landkreistag drohte den Ländern am Mittwoch indirekt mit weiteren Klagen vor den Landesverfassungsgerichten, wenn sie nicht zahlen. Zugleich warnte er davor, den Klageweg zu beschreiten. Dann reiche die Zeit für den Kita-Ausbau nicht mehr aus.

Teil 2: In vielen West-Großstädten sind die Wartelisten lang

  • Aus der FTD vom 19.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Pläne zur Einlagensicherung: Für die Kanzlerin ein Angebot zur Güte

    Die Bundeskanzlerin lehnt Eurobonds kategorisch ab. Vielleicht könnte sie den Plänen zu einer europäischen Einlagensicherung eher zustimmen? Das Vertrauen in die Banken würde steigen. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote