Nach Berechnungen der Spitzenverbände der Städte und Kommunen ist die Versorgungslücke sogar noch wesentlich größer. Es fehlten derzeit noch knapp 300.000 Krippenplätze, so die Rechnung des Deutschen Städtetags. Die Schlagzahl beim Ausbau müsste in den nächsten drei Jahren von derzeit rund 50.000 auf 100.000 Plätze verdoppelt werden, sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus. Außerdem fehlten den Kommunen 6 Mrd. Euro.
Familienministerin Kristina Schröder spielte das Problem am Mittwoch herunter. Das verabredete Krippenziel "sei noch erreichbar", sagte sie, wenn der Ausbau "deutlich an Dynamik zunimmt". Sie appellierte an die Länder, zu ihren finanziellen Zusagen zu stehen. Bund und Kommunen hätten ihren Teil eingehalten. Zudem hofft sie über Umschichtungen von Kindergarten- zu Kitaplätzen die Lücke zum Teil noch schließen zu können.
Als Problem entlarvt die Untersuchung, dass die Länder lieber erst das Geld des Bundes ausgeben als ihr eigenes. Das sei zwar legitim, so Schröder, aber könne zum Problem werden, wenn die Länder nicht rechtzeitig in die Finanzierung einsteigen und so die Bewilligungen verschleppt würden. Städte und Kommunen dürften nicht auf ihren Kosten sitzenbleiben.
Die meisten Länder haben in ihren Haushalten für die nächsten Jahre keine oder zu geringe Finanzmittel für den Ausbau vorgesehen. Der nordrhein-westfälische Verfassungsgerichtshof hat diese Praxis Ende letzten Jahres gerügt. Hans-Günter Henneke vom deutschen Landkreistag drohte den Ländern am Mittwoch indirekt mit weiteren Klagen vor den Landesverfassungsgerichten, wenn sie nicht zahlen. Zugleich warnte er davor, den Klageweg zu beschreiten. Dann reiche die Zeit für den Kita-Ausbau nicht mehr aus.