"Deutschland profitiert stark von der Globalisierung", sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Die Umfrage unter 4400 im Ausland aktiven Unternehmen habe gezeigt, dass knapp 37 Prozent der Firmen seit Beginn ihrer Auslandsaktivitäten neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen hätten. Etwas mehr als 22 Prozent der Betriebe hätten dagegen Jobs abgebaut. Insgesamt falle der Beschäftigungssaldo also positiv aus.
Auslandengagement ist "wesentliche Stütze der Konjunktur"
Zudem seien diese Unternehmen an ihren inländischen Standorten erfolgreicher als die im Ausland aktiven Unternehmen insgesamt. Denn international tätige Firmen, darunter zunehmend auch kleine und mittelständische Unternehmen, hätten Umsatz und Personalbestand in Deutschland erhöht, sagte der DIHK-Chef. Bei fast 55 Prozent sei der Umsatz in Deutschland seit Beginn des Auslandengagements gestiegen, bei rund 19 Prozent sei er gesunken. Der Gewinn habe sich bei mehr als 42 Prozent erhöht, bei jedem vierten sei er dagegen gefallen. "Das wachsende Auslandsengagement ist damit eine wesentliche Stütze der Konjunktur", sagte Braun. Dennoch könne Deutschland noch besser von den Effekten profitieren, wenn die Produktion nicht kostenbedingt ins Ausland verlagert würde.
Braun sagte, allerdings öffneten die Aktivitäten im Ausland den Unternehmern die Augen für die dortigen Standortvorteile. Sie stellten sich daher die Frage, ob sie sich in Zukunft Produktion, aber auch Forschung und Entwicklung in Deutschland noch leisten könnten.
Produktionsverlagerung für jedes vierte Unternehmen ein Thema
Produktionsverlagerungen seien für jedes vierte Unternehmen, das im Auslandsgeschäft bereits Erfahrungen gesammelt hat, ein Thema. Zwei Drittel hätten bereits zumindest Teile ihrer Produktion verlagert, ein weiteres Drittel plane dies. Hauptziel der Produktionsverlagerungen sind die neuen Mitgliedstaaten der Europäischen Union und Asien. An der Spitze stünden Investitionen in Polen.
Die Verlagerung der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten folge zumeist der Verlagerung der Produktion, sagte Braun. Die befragten Unternehmer hätten vor allem auf niedrigere Lohnkosten, die Nähe zum Kunden und Markterfordernisse verwiesen. Lediglich drei Prozent der im Ausland tätigen Unternehmen wolle seine Produktion oder seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wieder zurück nach Deutschland legen.
Die in Deutschland ausgebildeten Ingenieure oder Facharbeiter müssten einen mindestens gleich guten oder besseren Wissensstand aufweisen als die Absolventen ausländischer Hochschulen, forderte Braun. Dafür müsse die Politik in Bund und Ländern sorgen. Zudem müsse es der deutschen Wirtschaft dann gelingen, kreativ mit dem Wissen umzugehen und den Vorsprung zu nutzen.
Wettbewerb um niedrige Lohnkosten
Allerdings müssten sich hoch qualifizierte Mitarbeiter künftig darauf einstellen, bei den Lohnkosten an ihren Konkurrenten im Ausland gemessen zu werden. Die Dynamik der Außenwirtschaft könnte nach Brauns Worten noch positivere Auswirkungen vor allem auf die Beschäftigung in Deutschland haben. Dazu müsste allerdings verhindert werden, dass viele Unternehmen aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit ihre Produktion und ihre Forschung und Entwicklung ins Ausland transferieren müssten. "Hier haben wir großen Nachholbedarf", sagte der DIHK-Präsident. Eine neue Bundesregierung müsse die Schwächen und Nachteile Deutschlands bei Innovation, Entwicklung und Forschung beseitigen helfen. Um die Produktion im Inland zu erhöhen, müsse der Standort auch wieder für ausländische Investoren attraktiv werden.
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