FTD.de » Politik » Deutschland » Bund ignoriert Kritik an Staatsfondsplan

Merken   Drucken   10.08.2008, 18:46 Schriftgröße: AAA

Außenwirtschaftsgesetz: Bund ignoriert Kritik an Staatsfondsplan  

Exklusiv Ungeachtet massiver Kritik führender Wirtschaftsverbände treibt die Bundesregierung ihre Pläne für ein neues Abwehrinstrument gegen unerwünschte Auslandsinvestoren voran. Eine Entscheidung soll bereits in wenigen Tagen im Kabinett fallen. von Birgit Marschall (Berlin)
Das neue Außenwirtschaftsgesetz (AWG) solle bereits am 20. August vom Bundeskabinett verabschiedet werden, erfuhr die FTD aus Regierungskreisen. Es solle noch in diesem Jahr in Kraft treten. Vor allem staatlich kontrollierte Investitionsfonds aus Russland, China und den arabischen Golfstaaten verfügen über ein stetig wachsendes Anlagekapital. In der Regierung, aber auch unter Topmanagern gab es daher Befürchtungen, deutsche Schlüsselindustrien könnten in die Hände von Auslandsinvestoren gelangen, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Interessen verfolgen.
Mit dem AWG schafft sich die Regierung daher ein Vetorecht. Auslandsinvestoren ohne Sitz in der EU, die direkt oder indirekt mehr als 25 Prozent der Stimmrechte an einem deutschen Unternehmen erwerben, müssen künftig damit rechnen, dass die Regierung eingreift. Kriterium für ein Verbot des Erwerbs ist die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung der Bundesrepublik. Das Wirtschaftsministerium betont, nur in Ausnahmefällen von dem Vetorecht Gebrauch machen zu wollen.
Heftige Gegenwehr vom BDI
In einer nicht-öffentlichen Anhörung hatten Experten der führenden Wirtschaftsverbände, darunter der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), am Donnerstag vor allem europarechtliche Bedenken gegen das AWG vorgebracht. Der EG-Vertrag garantiere Kapitalverkehrsfreiheit auch für nicht in der EU ansässige Investoren. Beschränkungen seien zwar zulässig, wenn die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdet werde, allerdings seien dafür hinreichend genaue Kriterien im Gesetz zu verankern. Davon habe das Wirtschaftsministerium im Gesetzentwurf aber abgesehen.
Die Regierung teilt diese Bedenken jedoch nicht. Die juristischen Ressorts hätten den Entwurf hinreichend abgeklopft, hieß es in den Kreisen. Europarechtlich sei gegen das AWG nichts einzuwenden.
Auf den aktuellen Fall des geplanten Verkaufs der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd werde sich das neue Gesetz auch dann nicht anwenden lassen, wenn es noch rechtzeitig wirksam würde. Hapag sei kein Unternehmen, das für die öffentliche Ordnung und Sicherheit des Landes maßgeblich sei, hieß es. Für Hapag bietet auch die Reederei Neptun Orient Lines (NOL), die vom Staatsfonds Temasek aus Singapur kontrolliert wird.
  • Aus der FTD vom 11.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Pläne zur Einlagensicherung: Für die Kanzlerin ein Angebot zur Güte

    Die Bundeskanzlerin lehnt Eurobonds kategorisch ab. Vielleicht könnte sie den Plänen zu einer europäischen Einlagensicherung eher zustimmen? Das Vertrauen in die Banken würde steigen. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote