Winfried Kretschmann
Vom grünen Urgestein zum Regierungschef
Laut Medienberichten ist zumindest nicht ausgeschlossen, dass Bundestagsfraktionschef Fritz Kuhn ins Stuttgarter Kabinett strebt - auch wenn das im Südwesten wohl auf wenig Gegenliebe stoßen würde. Sollte es so kommen, würde sich Kuhn vermutlich um das Wirtschaftsministerium bewerben. Doch das beansprucht auch die SPD für sich. Der Name des Berliner Finanzfachmanns Alexander Bonde ist in diesem Zusammenhang auch schon gefallen. Weniger für das Wirtschaftsministerium dafür zum generellen Ausgleich des überwiegenden Realo-Verbandes in Baden-Württemberg wurde auch der Fundi-Bundestagsabgeordnete Winfried Herrmann ins Gespräch gebracht.
Für die Grünen im Südwesten ist Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer die Allzweckwaffe schlechthin: Wann immer es einen Posten zu vergeben gibt, fällt sein Name. Sollte er tatsächlich nach Stuttgart wechseln, dürfte sich der Ober-Realo, der sich als exzellenter Verkehrsfachmann in den Schlichtungsgesprächen zu Stuttgart 21 profilierte, das einiges kosten lassen. So mancher spekuliert gar über ein Super-Ministerium.
Mangel an Frauen
Der derzeitige Landtagsfraktionsvize Franz Untersteller könnte neuer Umweltminister werden. Der langjährige Umwelt- und Energieexperte pocht auf einen möglichst raschen Atomausstieg. Das Vertrauen eines Direktmandats setzten die Wähler in Werner Wölfle, den Chef der Stuttgarter Gemeinderatsfraktion. Er ist als grüne Speerspitze gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 bekanntgeworden und käme somit auch für das Verkehrsressort in Betracht. Wölfle hat zudem einen Schwerpunkt bei Sozial- und Gesundheitsthemen.
Ebenfalls ein Direktmandat errungen hat Theresia Bauer, allerdings in Heidelberg. Die Parlamentarische Geschäftsführerin hat sich auf Wissenschaftsthemen spezialisiert und dem scheidenden Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) schon in vielen Redeschlachten über die Hochschulpolitik Paroli geboten. Da es an Frauen bei den Grünen derzeit aber darüber hinaus schnell knapp wird, wird sogar die gerade erst in den Landtag eingezogene Muhterem Aras als Ministerin gehandelt. Denkbar wäre für die Steuerberaterin mit türkischen Wurzeln ein Ressort, das sich auch um Integration kümmert.