Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber: Neue Spekulationen um seine Zukunft
Enttäuschung und blankes Entsetzen bei den Anhängern der CSU, als die ersten Hochrechnungen über den Bildschirm flimmern. "Das ist doch nicht zu fassen", sagt eine junge Aktivistin vom Wahlkampfteam. "Unter 40 Prozent, das kann einfach nicht sein."
Die Parteispitze lässt sich auf der Wahlparty im Konferenzzentrum der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München zunächst nicht blicken. Fast eine halbe Stunde lang verfolgt CSU-Generalsekretär Markus Söder hinter verschlossenen Türen die düsteren Wahlergebnisse für die Union. Parteichef Edmund Stoiber und Innenminister Günther Beckstein sind ohnehin in Berlin.
"Symbolwert der CSU ist geknackt"
Erst als die Bayern-Hochrechnung mit den gesonderten CSU-Werten kommt, hellt sich die Stimmung vorübergehend auf. „52 Prozent sind ein Riesenergebnis für die CSU“, sagte Staatskanzleichef Erwin Huber. Dabei sackte die Partei um sechs Punkten gegenüber 2002 ab. Wenig später rutscht der Wert unter die magische 50-Prozent-Marke. „Damit wäre ein Symbolwert der CSU geknackt“, sagt Landtagspräsident Alois Glück.
Wenige Stunden später wird klar: Das Ergebnis fällt katastrophal aus. Die CSU-Wähler haben Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel offenbar in Scharen die Gefolgschaft verweigert: Die CSU verliere 9,7 Prozentpunkte und liege mit 48,9 Prozent deutlich unter dem Ergebnis von 2002, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner auf N-TV.
Die wenigen CSU-Spitzenpolitiker, die sich unter das handverlesene Partypublikum mischen, ringen mühsam um Erklärungen: Wie kann es nach dem Höhenflug vom Frühjahr und den Prognosen der vergangenen Wochen einen solchen Absturz geben? "Was Meinungsumfragen wert sind, hat sich heute jedenfalls klar gezeigt", sagt der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu.
Ansonsten herrscht Ratlosigkeit. Die Zweitstimmenkampagne der FDP habe die Union ebenso Stimmen gekostet wie der "Verleumdungswahlkampf" des Kanzlers, sagt Söder. Und eigene Fehler? Nur der frühere Wissenschaftsminister Hans Zehetmair, der als Stiftungspräsident nicht mehr in der ersten Reihe der aktuellen Politik steht, nennt die angekündigte Erhöhung der Mehrwertsteuer.
Kein böses Wort über Merkel
Die Schwesterpartei CDU, die sonst gern als Blitzableiter herhalten muss, bleibt vorerst verschont. Am Wahlkampf von Merkel habe es jedenfalls nicht gelegen, versichern die CSU-Granden unisono. Wie es jetzt allerdings weitergehen soll, wissen die Unionisten in München so wenig wie die in Berlin. Der eine oder andere bringt statt der ungeliebten großen Koalition auch ein Bündnis mit Liberalen und Grünen ins Gespräch. In jedem Fall sei eine sorgfältige Analyse nötig, mahnt Glück.
Das soll offenbar auch für die politische Zukunft Stoibers gelten. Der CSU-Chef hatte angeblich mit Merkel zusammen festgelegt, dass er trotz seines monatelangen Zögerns als eine Art Reformminister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr nach Berlin wechselt. Schon am Montag sollte das so verkündet werden. Am Wahlabend gibt Huber, Stoibers rechte Hand, allerdings eine andere Parole aus: "Das müssen wir gründlich beraten. Es gibt keinen Anlass, das jetzt übers Knie zu brechen."
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