Fast so gern wie über Politiker schimpfen viele gern über Beamte - die seien ja nur faul, träge, reformfeindlich, bürokratieversessen und vor allem: finanziell völlig überversorgt. Und jetzt sollen sie auch noch Privilegien bei der staatlichen Versorgung behalten, wenn sie aus dem Staatsdienst vorzeitig ausscheiden und einen lukrativen Job in der Privatwirtschaft annehmen?
Doch genauso wenig, wie die pauschale Beamtenschelte gerechtfertigt ist, so wenig sollte man sich über die Initiative der Koalitionsfraktionen aufregen. Was für manche zunächst wie eine weitere teure Privilegierung erscheint, dürfte am Ende tatsächlich allen nutzen: Staat, Steuerzahlern, Wirtschaft und den Beamten selbst.
Die Idee des Vorschlags ist es ja nicht, einfach noch mehr Geld auszugeben. Vielmehr soll es den unkündbaren Staatsbediensteten des Bundes erleichtert werden, selbst vorzeitig ihren Behördenstuhl zu räumen - sei es für Jüngere oder für einen anstehenden Personalabbau. Oder auch, um den kaum stattfindenden Personalaustausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung anzuregen. Derzeit jedoch müssen Beamte deutliche Abschläge im Alter fürchten. Zwar muss der Bund als Arbeitgeber sie in der gesetzlichen Rente nachversichern. Die faktischen Abschläge sind dennoch groß genug, um einen Berufswechsel zu scheuen, gerade mit mehreren Dienstjahren.
Für den Staat also würde sich eine Reform lohnen: Er könnte, da er Stellen und Kosten einsparen muss, seine Bediensteten leichter von einem Weggang überzeugen und müsste keine Vergreisung der Amtsstuben tatenlos hinnehmen. Das freut sicher auch Steuerzahler und Antragsteller.
Die Beamten selbst profitieren von einer Neuregelung ebenfalls: Sie würden nicht mehr um jeden Preis in der Behörde bleiben, selbst wenn ihre Motivation sinkt und ihre Frustration steigt. Und Unternehmen könnten leichter erfahrene Ministerialbeamte zu sich holen und ihre Kompetenz etwa im Umgang mit öffentlichen Verwaltungen nutzen.
Das wird die Gehaltskosten für beamtetes Lehrpersonal an den Universitäten und Schulen in Fächern, die mit Industrien in Verbindung stehen, die gut dotierte Arbeitsverhältnisse anbieten, in die Höhe treiben. Viele Lehrer in der Physik oder Mathematik werden, wenn die Frustphase (45+) beginnt, Alternativen suchen, wenn der Pensionsanspruch erhalten bleibt. Professoren, die das unsägliche Laufrad der Drittmittelbewerbungen und Publikationen leid sind, werden sich ebenfalls neu orientieren. Was allerdings viel schlimmer auswirken wird, ist die negative Selektion. Diejenigen mit einer sekundären Berufsperspektive, leider meist die Fähigen, werden gehen und Rest bleibt bis zur Pensionierung.