Toxikologen und Biowaffen-Experten warnen, dass es mit ausgereiftem technischem Wissen und entsprechender finanzieller Ausstattung gelingen könne, Giftstoffe etwa über das Trinkwasser zu verbreiten.
Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI), das als Bundesbehörde für Bioterror zuständig ist, wollte allerdings nicht zu Risiko-Szenarien Stellung nehmen. "Wir sind panisch darauf bedacht, keine Szenarien zu verbreiten, sonst lesen wir morgen von Trittbrettfahrern, die dies und jenes versucht haben", sagte Institutssprecherin Susanne Glasmacher.
"Wasser wird mehrfach aufbereitet und analysiert", erklärte der Trinkwassertoxikologe des Umweltbundesamtes (UBA), Hermann Dieter. Aktivkohle- und Ozonfilter an Talsperren und Brunnen filterten die allermeisten Schadstoffe heraus. Das gelte auch für Milzbrand. "Außerdem würde es auffallen, wenn jemand sich Zugang zu Trinkwasserreservoirs oder Brunnen verschafft, um größere Mengen einer Chemikalie einzubringen."
Die Wasserwerke untersuchen zudem regelmäßig die Zusammensetzung des Wassers, sagte Dieter. Problematisch sei aber, wenn zum Beispiel Botulismus-Erreger ins Wassernetz gelängen. Der Erreger führt zu Nervenlähmung und ist schwer auszumachen. "Botulin wäre ein Problem. Da geht viel durch Aktivkohlefilter durch", sagte Dieter. "Den hochgiftigen Stoff findet man nur, wenn man gezielt sucht." Dennoch sei die Gefahr gering. Es brauche große Mengen dieses teuren Stoffs, der nicht leicht herzustellen oder zu beschaffen sei.
Die andere Gefahr bestehe, wenn Menschen mit "extremer krimineller Energie" versuchten, das Wassernetz zu verseuchen. "Wenn eine Stelle kritisch ist, dann ist es das Netz", sagte der UBA-Experte. Dort werde die Qualität nicht mehr kontrolliert. "Aber man kommt schwer ans Netz ran, das ist tief vergraben und man muss sich gut mit den Druckverhältnissen auskennen." Jemand mit solchen Kenntnissen könne eine Gefahr darstellen. "Darauf wäre man nicht vorbereitet."
Der ABC-Waffenexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, Oliver Thränert, schätzt die Gefahr durch Bio-Anschläge in Deutschland genauso hoch ein wie in den USA. Der mögliche Schaden sei jedoch begrenzt. Je ansteckender ein Stoff sei, desto schwerer sei es für Terroristen, ihn gezielt einzusetzen, ohne sich selbst zu schädigen. "Um ein Trinkwasserreservoir zu verseuchen, müsste man schon sehr große Mengen haben."
Thränert hält es allerdings für geboten, dass Notfallpersonal besser geschult wird, um Krankheitssymptome zu erkennen. Auch müssten Antibiotika-Vorräte aufgestockt werden. "Die Situation ist nicht so gefährlich, wie viele jetzt glauben." Es gehe aber darum, angemessen zu reagieren. "Wir sind zwar von Freunden umzingelt, aber das bedeutet in einer globalisierten Welt nicht, dass wir nicht bedroht sind."