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Merken   Drucken   29.12.2011, 14:55 Schriftgröße: AAA

Beschäftigung: Die Billiglöhne erreichen den Westen

Was noch vor wenigen Jahren eine Art Alleinstellungsmerkmal des ostdeutschen Stellenmarktes war,  gehört inzwischen auch zur westdeutschen Arbeitswelt: Gehälter unter Tarif. Zugleich steigt die Gefahr, nach Job-Verlust sofort Hartz IV zu erhalten.
© Bild: 2011 DPA/Bildfunk/Marcus Brandt
Was noch vor wenigen Jahren eine Art Alleinstellungsmerkmal des ostdeutschen Stellenmarktes war, gehört inzwischen auch zur westdeutschen Arbeitswelt: Gehälter unter Tarif. Zugleich steigt die Gefahr, nach Job-Verlust sofort Hartz IV zu erhalten.
In vielen Branchen werden in Deutschland Gehälter deutlich unter den vereinbarten oder Politik und Gewerkschaften geforderten Mindestlöhnen gezahlt. Der Stundenlohn liegt teilweise unter 6,50 Euro. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes sind Minilöhne nicht mehr vor allem ein Merkmal des ostdeutschen Stellenmarktes, sondern gehören auch flächendeckend zur westdeutschen Arbeitswelt.
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Die niedrigen Tarifverdienste gelten insbesondere für gering qualifizierte Beschäftigte in gewerkschaftlich schlecht organisierten Branchen wie Gartenbau und Landwirtschaft sowie in Handwerks- und Dienstleistungsbranchen. Im Konditorenhandwerk in Bayern etwa beginnt nach Angaben der Statistiker der Tarifverdienst bei 5,26 Euro je Stunde. Auch Fleischer in Sachsen (6,00 Euro je Stunde), Gärtner in Brandenburg (6,46) und Mitarbeiter im Hotel- und Gaststättengewerbe (6,29) erhalten bisweilen weniger als 6,50 Euro je Stunde. Die Angaben beruhen auf einer Auswertung von 600 Flächentarifverträgen. Bei den Löhnen handelt es sich um die niedrigste Stufe, die häufig für frisch Ausgelernte, oder aber Hilfskräfte gilt.
Zum Schutz gegen den Absturz in Niedriglöhne wurden in den vergangenen Jahren in zehn Brachen allgemeinverbindliche Mindestlöhne eingesetzt. Diese reichen von 6,53 bis 11,53 Euro je Stunde. Nach den Daten des Bundesamtes liegt der Mindestlohn im Westen bei Wäschereidienstleistungen und größtenteils im Wach- und Sicherheitsgewerbe bei weniger als 8,00 Euro je Stunde. Im Osten werden 8,00 Euro des weiteren bei der Gebäudereinigung und in der Pflegebranche unterschritten.
Allerdings gibt es einen gegenläufigen Trend: Je nach Region und Branche sind Unternehmen durch den Arbeits- und Fachkräftemangel zunehmend dazu gezwungen, über Tarif zu zahlen, in Lohnverhandlungen großzügiger zu werden oder besondere Zusatzleistungen anzubieten. In Ostdeutschland gibt es Überlegungen, im Handwerk die Löhne für Auszubildende zu erhöhen, weil es zunehmend an Nachwuchs fehlt .
In diesen Wandel passt, dass Gewerkschaften beobachten , dass die Zahl der tariflichen Vergütungsgruppen mit Stundenlöhnen unter 8,50 Euro gesunken ist. Im September 2011 sahen laut WSI-Tarifarchiv 13 Prozent der mehr als 4700 untersuchten Vergütungsgruppen aus 41 Branchen Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro vor. Im März 2010 habe dieser Anteil noch 16 Prozent betragen.

Teil 2: Kurzfristige Arbeitsverträge

  • FTD.de, 29.12.2011
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