Eigentlich können sich alle Beteiligten nur noch darüber streiten, wer ganz oben auf das Verlierertreppchen muss. Im Bundestag führten CDU, CSU und FDP noch einen rituellen Schaukampf gegen die SPD auf: Das Betreuungsgeld schaffe endlich echte Wahlfreiheit für Eltern, ihren Nachwuchs in eine öffentlich geförderte Betreuung zu geben oder zu Hause zu betreuen, beschworen die Redner der Koalition. Die "Herdprämie" sei "schwachsinnig", polterte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Aber während Koalition und Opposition noch ihre traditionelle Redeschlacht austrugen, steht längst fest: Das Betreuungsgeld hat beide Seiten längst zu traurigen Verlierern gemacht.
Die CSU, die vor fünf Jahren das Betreuungsgeld für sich und ihre konservative Klientel in ländlichen Regionen entdeckt hatte, kann sich mittlerweile keinerlei Stimmenbonus mehr davon erhoffen. Die Christsozialen haben zugelassen, dass ihr Prestigeprojekt inzwischen völlig diskreditiert und von den meisten Bürgern nur noch als rückwärtsgewandte Geldverschwendung wahrgenommen wird. Wählerstimmen sind damit nicht zu gewinnen, in den vom Streit geprägten vergangenen fünf Jahren ist die Zeit über das Betreuungsgeld hinweg gegangen: Ausreichend Kita-Plätze, berufliche Gleichstellung von Frau und Mann und optimale frühkindliche Bildung haben im öffentlichen Bewusstsein aufgeholt.
Die CDU als größte Regierungspartei hat das zwar erkannt, aber das Betreuungsgeld trotzdem nicht mit der Richtlinienkompetenz der Kanzlerin beerdigt. Ein fataler Fehler, denn unter großen Schmerzen hatten die Christdemokraten mit Hilfe von Ursula von der Leyen gerade erst angefangen, ihr traditionelles Familienmodell vom Alleinverdienerhaushalt langsam aufzubrechen: Sie führten Vätermonate ein und denken immer lauter über eine Reform des Ehegattensplittings nach. Doch das Betreuungsgeld hat das Zeug, die CDU besonders in den Augen großstädtischer Wähler wieder zurück in die Vor-Merkel-Ära zu katapultieren.
Die Liberalen haben die Chance vertan, als selbst erklärte Garanten für haushaltspolitische Vernunft das Betreuungsgeld zu verhindern. Dabei wäre es sicher aussichtsreich gewesen, wie bei der Kür des Bundespräsidentenkandidaten Joachim Gauck die Kanzlerin unter Druck zu setzen: Wie im Fall Gauck hätte die FDP dabei die breite Mehrheit der Bevölkerung und große Teile der Union hinter sich gehabt, finanzpolitische Argumente wären noch hinzu gekommen. Aber die FDP hatte nicht mehr die Kraft für ein Aufbegehren. Ihr war Geschacher wichtiger - gelockerte Zuwanderungsregeln und die Abschaffung der Prasxisgebühr nahm sie gern als Gegenleistung.
Und die SPD ist auch auf der Verliererseite gelandet: Zwar wollten die Sozialdemokraten die Bundestagsdebatte dazu nutzen, ihren Kanzlerkandidaten Steinbrück zur Abwechslung mal in einem gesellschaftspolitischen Feld zu profilieren und nicht nur in Finanzfragen. Doch als damaliger Finanzminister in Merkels Großer Koalition bis 2009 hatte ausgerechnet Steinbrück das Betreuungsgeld zähneknirschend mitgetragen. Damals hatte er von einem "vernünftigen Kompromiss" gesprochen. Mit dieser Vergangenheit lassen sich keine glaubwürdigen Attacken gegen das Betreuungsgeld führen. Die Schlacht ist geschlagen. Und hat nur Verlierer zurückgelassen.
Wie weit sind wir in Deutschland gekommen. Ich finde es traurig. Es besteht nicht der ganze Staat aus "Asozialen", die das Betreuungsgeld für Zigaretten ausgeben. Ich habe ein 1-jähriges Kind und würde dieses nie in eine Kita geben. Warum bekomme ich denn ein Kind, dass ich es frühstmöglich den halben oder ganzen Tag weggebe? Ich möchte mein Kind aufwachsen sehen, . . . Wer kann denn ein Kind besser fördern, als die eigene Mama. Und die 100 oder 150 Euro sind für den Staat sehr viel weniger als ihn ein Kita-Platz für ein Kind im Monat kosten würde. Zudem kenne ich einige Erzieherinnen, welche in Kitas arbeiten und von Frühforderung kann da keine Rede sein, da sie aufgrund von Unterbesetzung gar oder fast gar keine Zeit dazu haben.