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Merken   Drucken   07.05.2009, 21:42 Schriftgröße: AAA

Brisante Plakatkampagne: Riskantes Spiel mit dem Schmutz  

Mit ihren Plakaten zur Europawahl am 7. Juni geht die SPD einen ungewöhnlichen Weg: Sie stellt die Konkurrenz an den Pranger. In den USA ist "Negative Campaigning" üblich - und hierzulande ziemlich gefährlich. von Jens Tartler
Kajo Wasserhövel kann die Aufregung nicht verstehen. Der oberste Wahlkampfmanager der SPD findet zum Beispiel das Plakat, das einen FDP-wählenden Finanzhai mit Krawatte zeigt, völlig in Ordnung. "Wir führen keinen säuselnden Europawahlkampf", schreibt der engste Vertraute von SPD-Chef Franz Müntefering  in seinem Weblog. "Wir zeigen klar, wofür wir und wofür Union, FDP und die Linke stehen. Witzig und auch ein wenig provozierend."
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel fand das Plakat offenbar nicht so witzig. Er verglich die SPD-Illustration sogar mit einem NPD-Motiv.
Die Empörung rührt nicht nur daher, dass die FDP sich auf den Schlips getreten fühlt. Die Methode, den politischen Gegner direkt schlecht zu machen, wird in Deutschland eher selten angewandt - und schon gar nicht optisch so anspringend wie auf den Plakaten der SPD. Üblich sind hierzulande eher allgemeine, staatstragende Motive wie die fleißigen Hafenarbeiter auf dem CDU-Plakat, die einen Container in den Deutschland-Farben bewegen, dazu der Slogan "Wir in Europa".
In den USA dagegen ist das sogenannte Negative Campaigning sehr verbreitet. Aber auch dort ist umstritten, ob es eher nützt oder schadet, den Gegner gezielt schlechtzumachen. Und die deutschen Wähler gelten als harmoniebedürftiger als die amerikanischen.
Dass die SPD ihre Kampagne nicht aus einer Position der Stärke heraus erfunden hat, daraus macht auch Wasserhövel kein Geheimnis: "Bei der Europawahl 2004 hatten wir eine sehr niedrige Wahlbeteiligung. Diesmal muss es besser werden, und die werbliche Linie wird helfen, Aufmerksamkeit zu schaffen." In Zahlen ausgedrückt: Die SPD hatte mit 21,5 Prozent ein verheerendes Ergebnis, was sie sicherlich mehr schmerzte als die 43 Prozent Wahlbeteiligung.

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