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Merken   Drucken   29.09.2008, 22:19 Schriftgröße: AAA

Bundesagentur für Arbeit: Wirtschaftsflaute erschwert Jobsuche  

Nach Auffassung von Experten wird die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland 2009 deutlich sinken. Die Ökonomen der WestLB gehen im Jahresschnitt gar von 130.000 Beschäftigten weniger aus. von Ulrike Heike Müller und André Kühnlenz (Berlin)
Die Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) sagen sogar ein Minus von 170.000 voraus. Die Bundesregierung hingegen rechnet bislang mit einer Zunahme von 30.000. "Die Regierung wird ihre Prognose nach unten revidieren", sagte Arnd Schäfer, Volkswirt der WestLB.
Angesichts des Abschwungs haben in jüngster Zeit viele Forschungsinstitute und Banken ihre Wachstumsvorhersagen nach unten korrigiert. Die Flaute wird auch den Arbeitsmarkt treffen. Hinzu kommt die Unsicherheit über die Folgen des Finanzmarktdebakels. Die Regierung wird ihre neue Prognose Mitte Oktober vorlegen. Sie ist auch die Grundlage für die Berechnung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Im Juli waren 40,3 Mio. Menschen erwerbstätig.
"Die letzte Bastion, der Arbeitsmarkt, wird fallen", sagte Alexander Koch, Volkswirt bei Unicredit. Dies signalisiert auch das Ifo-Beschäftigungsbarometer für September, das die Forscher des Münchner Ifo-Instituts exklusiv für die FTD berechnen. Demnach planen die rund 7000 befragten Unternehmen, in den nächsten drei Monaten kaum noch neue Mitarbeiter einzustellen. "Der Beschäftigungsaufbau kommt im Herbst zum Stillstand. Ab dann wird es keine zusätzliche Beschäftigung mehr geben", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger.
Noch ist die Bereitschaft der Firmen hoch, neue Mitarbeiter einzustellen: Der Stellenindex BA-X der Bundesagentur für Arbeit (BA) - er fasst die freien Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt zusammen - stieg im September noch einmal um drei Zähler auf 247 Punkte. Doch räumt die BA ein, diese Entwicklung könnte überzeichnet sein: Die Arbeitgeber würden stärker im Internet neue Mitarbeiter suchen, sodass die BA dort mehr freie Stellen finde. "Wir erwarten, dass in den nächsten Monaten auch der BA-X in eine Seitwärtsbewegung einsteigt", sagte BA-Expertin Judith Wüllerich.
Schließlich zeigen auch die Umfragen der EU-Kommission vom September, dass die Deutschen sich verstärkt vor steigender Arbeitslosigkeit fürchten. Der entsprechende Saldoindex stieg von zehn auf elf Punkte. Das bedeutet, dass die Mehrheit in den nächsten zwölf Monaten mit steigender Arbeitslosigkeit rechnet. Bereits im Vormonat war der Indikator heftig um sieben Punkte gestiegen.
Dies alles legt nahe, dass die guten Zeiten auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr lange dauern. Immerhin waren im vergangenen Jahr 700.000 Menschen mehr beschäftigt. Bis Juli waren es noch einmal zusätzliche 400.000. Im September - die Zahlen veröffentlicht die BA am Dienstag - rechnen Ökonomen auch noch mit weniger Arbeitslosen. Doch spätestens zur Jahreswende sagt die Mehrzahl der Experten sinkende Beschäftigtenzahlen vorher. Deshalb geht die WestLB auch davon aus, dass die Arbeitslosenquote 2009 von 7,8 auf 8,1 Prozent steigt.
Optimistischer sind die Forscher des IAB-Instituts, das zur BA gehört. Sie rechnen 2009 mit einer Zunahme der Beschäftigten um 102.000 auf rund 40,4 Millionen. Dabei unterstellen auch sie, dass es in den einzelnen Monaten stagnierende oder sinkende Beschäftigtenzahlen gibt. "Aber wir glauben, dass die Rückgänge nicht so stark sind, dass sie das Plus aus diesem Jahr kompensieren", sagte IAB-Expertin Sabine Klinger.
  • Aus der FTD vom 30.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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